Ausstellungstipp: Bertha Wehnert Beckmann (1815-1901) – die erste Berufsfotografin Europas

5. Februar 2015

Mit Hilfe einer Camera Obscura gelang es dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce (1765-1833), die ersten Bilder auf einer lichtempfindlichen Oberfläche zu bannen. Ganze acht Stunden benötigte er damals, das erste beständige Bild anzufertigen: den Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. Dieser Ausblick ist bis heute die älteste erhaltene Fotografie.

Louis Jaques Mandé Daguerre (1787-1851) war so angetan von Niépces Arbeit, dass er dessen Partner wurde. Die beiden versuchten, einen Weg zu finden, die Belichtungszeiten zu verkürzen. Es dauerte Jahre des Tüftelns und Werkelns, bis die erste in wenigen Minuten belichtete Fotoplatte entstand. Die ‚Daguerreotypie‘ war geboren.

Mit ihr ein neues Medium, dessen Kraft und Macht damals wohl kaum zu ermessen war. Immer mehr Erfinder machten sich daran, das revolutionäre Medium in seiner Bedienung zu vereinfachen, und es für jedermann zu erschließen.

Eine der ersten Damen, die ihr Leben der Fotografie und deren Entwicklung widmete, war die Leipzigerin Bertha Wehnert Beckmann. Als erste Berufsfotografin Europas gehören ihre Bilder zu den wertvollsten der Fotografie-Geschichte.

Bertha Wehnert Beckmann

 

Bertha Wehnert Beckmann mit ihrem Hund Pluto, Glasnegativ, um 1870 .

Die erste Berufsfotografin Europas

In den Jahren 1849-1851 arbeitete sie in New York. Ihre Kunden waren Politiker und Gesandte, so auch der 13. Präsident der USA, Millard Filmore. Danach kehrte sie nach Leipzig zurück und lichtete große Persönlichkeiten der Stadt ab.

Musiker, Gelehrte, Kaufleute, so zum Beispiel Johannes Brahms und Clara Schumann. Außerdem widmete sich Wehnert-Beckmann der Architekturfotografie und verewigte als eine der ersten Leipziger Gebäude auf ihren Bildern, die heute teilweise nicht mehr existieren.

Bertha Wehnert Beckmann arbeitete in einer ganz besonderen Zeit. Einer Zeit, in der eine einzige Fotografie von hohem Wert war, viel Arbeit und Zeit abverlangte, um bestmöglich das Motiv für die Ewigkeit zu bannen. So, wie der Fotograf Manuel Álvarez Bravo es einst formulierte: Ich gebe dem Moment Dauer.

Bertha Wehnert Beckmann

 

Clara Schumann, Carte de Visite, um 1865.

Fotografie Bertha Wehnert Beckmann

Ernst Carl Erdmann Heine (1819-1888), Leipziger Industriepionier, Glasnegativ, 1877.

Wehnert-Beckmann wurde die Gesellschaftsfotografin der Stadt. Zum 200. Geburtstag der Fotografin widmet sich das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung den ‚Lebensstationen dieser ungewöhnlichen Frau und damit zugleich auch der rasanten Entwicklung der frühen Fotografie‘, so Dr. Volker Rodekamp, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums. Eine tolle Würdigung für ihre damals wie heute so wertvolle Arbeit.

Über 3000 Glasnegative aus den 1860er und 1870er Jahren sind zu sehen. Darunter auch Neuentdeckungen wie ein Portrait des späteren Oberbürgermeisters Bruno Tröndlin.

Ein spannendes Thema ist dabei auch der Gedanke, was es bedeutet, als Frau in der damaligen Zeit selbständig zu sein. Ich frage mich, ob die Künstlerin ein Vorbild für andere Damen der Gesellschaft gewesen sein muss, selbstbewusst ihren eigenen Weg zu gehen.

Wie werden in der Öffentlichkeit bekannte Menschen portraitiert? Wie waren die Menschen damals gekleidet? Wie sah diese wunderschöne Stadt Leipzig noch vor 200 Jahren aus? Was erwartete eine deutsche Auswanderin in New York? Es sind so viele Fragen, die sich mir aufwerfen, und die alte Fotos so spannend machen.

Fotografie Bertha Wehnert Beckmann

 

Die Kinder des Orientalisten Hermann Brockhaus von 1866-1881 (Dritter Sohn des Verlegers Friedrich Arnold Brockhaus), Daguerreotypie, 1846/47 um 1847.

Es sind einzigartige Objekte und Originale aus einer spannenden Zeit, die in der Ausstellung zu sehen sind. Die ersten Bilder einer historisch so bedeutenden Stadt und Originalfotografien von großen Persönlichkeiten, bis heute kulturell unglaublich wertvoll.

Bertha Wehnert Beckmann Ausstellung

Vom 25.01. bis zum 26.04.2015 ist die Ausstellung ‚Die Fotografin. Bertha Wehnert Beckmann 1815-1901‘ im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig zu besichtigen. Ich freue mich sehr, die alten Fotografien zu entdecken und kann nur jedem empfehlen, der in der Nähe ist, sich diese nicht entgehen zu lassen.

Bertha Wehnert Beckmann

 

Bertha Wehnert-Beckmanns Wohnhaus mit Atelier von 1866-1881 in der Elsterstraße 33 (heute 38), Glasnegativ, um 1870.

Wenn du mehr über Fotografie-Geschichte lesen magst, kann ich dir dieses Buch von Wolfgang Kemp empfehlen: Geschichte der Fotografie: Von Daguerre bis Gursky.

Weitere tolle Ausflugs-Tipps rund um Leipzig findest du hier:

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9 Kommentare

  • Antworten Colour your Beauty 5. Februar 2015 at 11:55

    Wow.. toller Tipp. Das wäre mal was für mich als „Hobbyfotografin“… vielen Dank für die Inspiriaton! Ich folge dir nun.. du mir auch?
    http://colouryourbeauty.blogspot.de/

    • Antworten Vintagemädchen 5. Februar 2015 at 12:00

      Gerne, ich freue mich, wenn ich noch mehr Begeisterte für alte Fotografien finden kann <3
      Liebe Grüße, Victoria

  • Antworten Mona 5. Februar 2015 at 12:15

    Eine wirklich spannende Geschichte und absolut faszinierend sich vorzustellen, dass in der damaligen Zeit eine Frau so selbstständig und fortschrittlich unterwegs war. Leider wohne ich für die Ausstellung zu weit weg.

    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

    • Antworten Vintagemädchen 5. Februar 2015 at 13:15

      Liebe Mona,
      genau das fasziniert mich auch sehr an dieser Frau! Dass sie damals selbständig so viel aufgebaut hat, ist unglaublich.
      Liebe Grüße,
      Victoria

  • Antworten H. V 7. Februar 2015 at 11:18

    Das klingt echt spannend. Ich finde Fotografie sehr interessant und habe auch eine kleine Leidenschaft für analoge Fotografie. Vor ein paar Jahren war ich in Amsterdam, im FOAM gab es auch eine faszinierende Ausstellung über russische Fotografie.
    Das Leben von Wehnert muss sehr spannend gewesen sein, als Frau selbstständig zu sein, frei reisen zu können und hochrangige Menschen zu treffen. Schade, dass ich so weit weg wohne, sonst hätte ich die Ausstellung bestimmt auch besucht.

    Liebe Grüße
    http://beautiful-bitter-fruits.blogspot.de

  • Antworten Anna 7. Februar 2015 at 11:41

    Wie schade, dass Leipzig doch ein ganzes Stück von mir entfernt ist, die Ausstellung würde mich nämlich näher interessieren 🙂
    <3 Anna
    http://live-love-laugh-blogg.blogspot.de/

  • Antworten Ausstellungstipp: Die erste Berufsfotografin Eu... 10. Februar 2015 at 23:50

    […] Die Leipzigerin Bertha Wehnert-Beckmann (1815-1901) gilt als die erste Berufsfotografin Europas. Das Stadtgeschichtliche Museum widmet ihr eine Ausstellung.  […]

  • Antworten Bertha Wehnert-Beckmann with her dog Pluto, late 1860s 22. Januar 2016 at 12:50

    […] Vintage Maedchen, Web […]

  • Antworten Clara Schumann, ca. 1865 22. Januar 2016 at 13:01

    […] Via: Vintage Maedchen […]

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