Kaffeegenuss im Café Grundmann

16. Juni 2015

Das Thema „Kaffeekultur“ liegt mir schon etwas länger am Herzen. Es ist bemerkenswert, wie ein Getränk über Jahrhunderte so viele Menschen miteinander vereint, so viele Geschichten schreibt, Genüsse hervorruft oder als Seelentröster das Herz erwärmt.

Eine ganz besondere Rolle spielen dabei die traditionellen Kaffeehäuser. Sie sind die Orte, in denen das Genießen, Entspannen und Austauschen mit dem Kaffeetrinken einhergeht. Sie haben das Getränk Kaffee zu einem sozialen Medium gemacht, welches heute beliebter ist denn je.

Cafe GrundmannIm Leipziger Café Grundmann scheint die Zeit stehengeblieben.

Europas Kaffeehaeuser – Eine Erfolgsgeschichte

In den Cafés Europas haben sich die größten Dichter und Denker getroffen. Ein Stelldichein an Malern, Literaten und Komponisten, die die Kunstszene revolutionierten. Die intellektuelle Elite nutzte diese Orte, um ihre Werke vorzustellen, zu diskutieren, korrigieren und redigieren.

Im frühen 17. Jahrhundert entstanden in Venedig die ersten Kaffeehäuser Europas. Auch in Paris ist der Kaffeegenuss bedeutender Bestandteil der Kultur. So sollen sich beispielsweise Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir im Les Deux Margots begegnet sein und ineinander verliebt haben.

Ganz bedeutend ist natürlich die österreichische Hauptstadt, wenn es um das Thema Kaffeekultur geht. Über Stunden genießen die Gäste der Wiener Cafés ihren Aufenthalt. Dort lauschen sie klassischer Klaviermusik und lassen sich vom adrett gekleideten Herrn Ober mit einer Verbeugung ihren Einspänner oder Großen Braunen servieren.

Cafe Grundmann

 

Originales Art Déco Interieur im Café Grundmann Leipzig.

Die Leipziger Kaffeekultur

Die Leipziger Kaffeekultur hat eine besonders lange Geschichte erlebt. Bereits 1694 wurde das Getränk dort erstmals öffentlich ausgeschenkt. In Verbindung mit europäischem Porzellan, wie das der Meißener Traditionsmanufaktur, wurde es über die Jahre zu einem der populärsten Getränke in Sachsen. Aus diesem Grund wurden die Einheimischen oft ironischerweise als Kaffeesachsen bezeichnet.

Sachsen war bis in das 20. Jahrhundert hinein einer der führenden deutschen Wirtschaftsstandorte. Die breitere Bevölkerungsschicht war in der glücklichen Lage, das prestigeträchtige Getränk zu konsumieren. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche, zauberhafte kleine Cafés in Leipzig eröffnet.

Cafe Grundmann

Genießen wie vor 100 Jahren: Das Café Grundmann

Nur sehr wenige Kaffeehäuser sind seit ihrer Eröffnung noch im originalen Zustand. Im der Leipziger Südvorstadt habe ich ein Schmuckstück entdeckt, in dem die Zeit seit 100 Jahren stehengeblieben scheint: Das Café Grundmann.

Holzvertäfelte Wände, sorgfältig aufgereihte Stühle, helle Marmortische und eine extravagante Deckenbeleuchtung sorgen für ein nostalgisches und urgemütliches Ambiente. 1919 wurde das Etablissement ins Leben gerufen und wird seitdem ohne Unterbrechung geführt.

Das Interieur des Kaffeehauses ist ganz und gar im Art Déco Stil gehalten – seit dem Umbau 1930 bis heute im originalen Zustand. Kein Kitsch, keine überflüssige Dekoration. Eben so wie anno dazumal.

Cafe Grundmann

Kaffeeangebot

In der Fasson eines Wiener Kaffeehauses gibt es im Café Grundmann die klassischen Kaffeesorten zu bestellen. Ob Großer Brauner, Verlängerter oder Franziskaner – in Tradition der österreichischen Cafés ist die Palette an Sorten so vielfältig, dass jeder Besucher garantiert das richtige Getränk für einen gemütlichen Aufenthalt findet.

Ein ganz spezielles Angebot ist der Timelunch. Kommt der Gast zwischen 11.00 und 15.00, so bezahlt er den Betrag seiner Bestellzeit in DM. Bestellst du also 11.14 deinen Kartoffel-Specksalat, so bezahlst du auch 11,14 DM. Da lohnt es sich, früh zum Mittagessen einzukehren.

Cafe Grundmann

 

Ein klassisches Wiener Kaffeegetränk: Der Verlängerte. Ein Espresso, welcher mit einem Teil Wasser gestreckt wird. Natürlich immer serviert mit einem Glas stillem Wasser. Der Verlängerte war so stark, dass er mir wortwörtlich die Augen öffnete.

Nostalgie pur

Das Café liegt nicht direkt im Zentrum der Stadt, doch durch seinen guten Ruf scheint dort immer reges Treiben zu sein. Der Ausblick auf die wunderschönen Gründerzeithäuser und das Grün auf den Straßen lädt zum Verweilen und Träumen ein.

Durch die hohen Fenster und die vielen Bäume kann man als Gast zwar keine vorbeischlendernden Passanten beobachten. Doch die Auswahl an Zeitschriften und Zeitungen ist so groß, dass einem auch allein die Zeit kurzweilig vorkommt. Außerdem ist das ein guter Grund, ein Mal ganz bei sich zu sein, die historische Atmosphäre in sich aufzusaugen und die Seele baumeln zu lassen.

Ich schätze Orte, um denen die Moderne einen Bogen machen konnte. Orte, die mit ihrer Schlichtheit, Historie und Manier einen Hauch Vergangenheit aufleben lassen.

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Die Thonet-Stühle und Marmortische, Eckbänke und Garderobenständer von 1930 präsentieren stolz ihre Benutzungsspuren. Und so kann man als Besucher von einem Schluck Kaffee zum nächsten träumen, was diese Objekte alles schon erlebt, gehört und gesehen haben.

Ihre Münder bleiben für immer verschlossen, und das ist es auch, was solche Flecken so reizvoll macht – die Spuren der Vergangenheit, die wir nur noch bedingt lesen können. So bleibt es unserer Fantasie überlassen, was hier alles schon geschah. Beim Kaffeetrinken vor fast 100 Jahren.

Cafe Grundmann

 

Die Decke im klassischen Art Déco Stil – auf die Einrichtung abgestimmt.

Öffnungszeiten und Adresse des Café Grundmann

Das Café Grundmann befindet sich in der August-Bebel-Straße 2 in Leipzig und ist Montag bis Freitag von 8 bis 23 Uhr, Samstag von 9 bis 23 Uhr und Sonntag von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Timelunch findet Montag bis Freitag in der Zeit von 11 bis 15 Uhr statt.

Weitere Beiträge zu nostalgischen Orten rund um Leipzig:

Neue Gegenden erkunden: Rokoko Glanz entdecken
Die wilde Romantik der Dornburger Schlösser – Ein Gastbeitrag
Zum Kaffee ins Café Riquet Leipzig

Victoria – Vintage Blog Vintagemädchen

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7 Kommentare

  • Antworten Ladies & Gents 16. Juni 2015 at 17:27

    Ach wie schön! Ich habe ja schon bei Instagram einen Blick auf das Kaffee erhaschen können. Aber die ganzen schönen Fotos überzeugen mich noch mehr davon bei meinen nächsten Leipzig-Besuch dort einen Kaffee zu trinken.
    Ich mag es sehr gerne wie du in dem Beitrag die Rolle der Kaffeehäuser zur Zeit der Bürgerlichen Öffentlichkeit anspielst. Sie waren viel mehr als nur ein Ort zum Kaffee trinken!

    • Antworten Vintagemädchen 17. Juni 2015 at 11:41

      Liebe Franka,

      das freut mich aber, dass dir der Beitrag gefällt! Wir können uns gerne einmal dort treffen! 🙂

      Liebe Grüße,
      Victoria

  • Antworten Micha 17. Juni 2015 at 9:31

    Wie war dein Eindruck von den Servicekräften.
    Bei jedem Besuch bisher war ich immer ziemlich enttäuscht. Langsam und unfreundlich, manchmal sogar recht schnippig..
    Das war der Grund, warum ich dort eher nicht mehr hingehe.

    • Antworten Lucy 17. Juni 2015 at 10:42

      Diese Erfahrung habe ich leider auch gemacht.

    • Antworten Vintagemädchen 17. Juni 2015 at 11:40

      Lieber Micha, liebe Lucy,

      vielen Dank für eure Hinweise und die Kritik!
      Ich selbst habe bei meinem Besuch diese Erfahrung nicht gemacht. Sonst hätte ich das Café auch persönlich nicht weiterempfohlen.

      Ich werde beim nächsten Mal stärker darauf achten. Es ist natürlich schade, dass ihr solche Erfahrungen im Café Grundmann hattet. Aber Leipzig hat ja definitiv noch mehr solche Orte zu bieten!

      Beste Grüße,
      Victoria

  • Antworten Júdith Lu Kovács 4. Juli 2015 at 20:58

    Kannte das Café noch gar nicht, sieht gut aus! 🙂

    http://judithlu.blogspot.com

    • Antworten Vintagemädchen 6. Juli 2015 at 17:19

      Auf jeden Fall! Schön, dass ich dir etwas Neues zeigen konnte 🙂

      Liebste Grüße,
      Victoria

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