Rhababerleder, Alpakas & Finnische Topfpflanzen – Grüne Mode auf der Fashion Week Berlin

29. Juni 2016

Der GreenShowroom auf der Fashion Week Berlin hat uns auf beeindruckende Weise gezeigt, dass grüne Mode längst nicht mehr im kratzigen Öko-Look daherkommen muss. Wir haben beeindruckende Menschen kennengelernt, tolle Projekte entdeckt und ausgefallene Stoffe bewundert. All die Labels verbindet eine ganz besondere Sache:

Der Wunsch, nach einem umweltbewussteren und liebevolleren Umgang mit unserer Natur.

Grüne Mode Fashion Week Baum

„Love Fashion, think organic, be responsible.“

Beim GreenShowroom in Berlin vereint sich alles, was umweltbewusste Mode ausmachen kann: Hochwertige Qualität, zeitlose Designs und nachhaltige Produktion. „Eco-Fashion“ ist mittlerweile eines der Fokusthemen der Berliner Fashion Week geworden, womit sie sich grundlegend von anderen Schauen dieser Art in New York, Mailand oder Berlin unterscheidet.

Mehr als 160 internationale Labels zeigen diesmal, wie groß die Vielzahl für ökologische Mode geworden ist. Die Bandbreite geht dabei von Lingerie über Abendkleider für die Damen bis hin zu Business-Look für die Herren.

Grüne Mode Fashion Week Berlin

Danke an Manja für das Bild.

Ein tolles Beispiel dafür, das diese „Öko-Kleidung“ nicht mehr nur aus kratziger Wolle, übertrieben bunten Mustern oder schlabberigen Hosen bestehen muss. Das macht es doch für uns alle einfacher, mehr auf unseren eigenen Kleidungskonsum zu achten.

Gemeinsam mit der lieben Manja vom Modespitze Blog war ich vor Ort und wir haben nicht selten gestaunt, was für Innovationen und Kreativität hinter der Mode steckt, die unsere Welt Stück für Stück ein wenig besser machen soll.

Grüne Mode ist kreativ: besondere Materialien für den Umweltschutz

Grüne Mode Fashion Week SchildDie Location für den GreenShowroom hat mir wunderbar gefallen. Der alte Postbahnhof bot auf zwei Etagen genug Ausstellungsfläche und Platz, um in gemütlicher Atmosphäre ganz entspannt die Aussteller zu entdecken. Ein angenehmer Kontrast zu den großen Messen der Fashion Week wie Panorama, Premium und Co.

So haben wir tatsächlich alle Labels interessiert gemustert und sind hier und da stehengeblieben, wenn uns eines besonders ansprach. So ging es mir etwa bei der österreichischen Marke „Woody“, welche bereits seit 1912 in Handarbeit Schuhe produziert.

Grüne Mode Holzschuh

Woody bezeichnet sich als „Erfinder der biegsamen Holzsohle„. So sollen die Schuhe nicht nur umweltfreundlich und hochwertig, sondern auch bequem sein und die Gelenke beim Laufen entlasten. 

Grüne Mode HolzschuhClogs aus nachhaltiger Forstwirtschaft, gefunden bei Woody.

In nachhaltiger Forstwirtschaft wird das Holz angebaut, welches das Label für die formbaren Clogs verwendet. Ich bin diesen Sommer großer Fan von Clogs geworden und finde die oben gezeigten Modelle wirklich schön. Ein tolles Beispiel für hohe Schuhe, did auch gleichzeitig bequem sein könndn.

Rund 40 Mitarbeiter beschäftigt Woody mittlerweile. Was alles vor knapp 100 Jahren mit der Produktion von Holzrechen und Heugabeln begann, ist heute ein erfolgreiches und umweltbewusstes Unternehmen in der Schuhproduktion. Beeindruckend!

Ganz besonders staunen ließ mich beim Thema Grüne Mode dieses Material: Rhababerleder.

Grüne Mode Rhababerleder

Accessoires, gegerbt mit Rhababerwurzel, von der Leipziger Firma „deepmello“.

Rhababerleder wird mit einem speziellen Extrakt aus der Rhababerwurzel pflanzlich gegerbt. Durch dessen Nutzung, übrigens zu 100% in Deutschland angebaut und realisiert, werden nachhaltig natürliche Ressourcen geschont.

Da das Material dazu auch noch atmungsaktiv und sehr hautverträglich ist, bietet es eine tolle Alternative zu chemisch gegerbtem Material. Nicht nur Rhababer haben wir als pflanzlichen Leder-Gerbstoff entdeckt. Auch Schuhe aus Ananasleder wurden auf der Messe vorgestellt. Ich hoffe sehr, dass diese Materialien in den nächsten Jahren Stück für Stück einen festen Platz im Mode-Markt finden werden!

Ein weiterer wichtiger Punkt der Fashion Week sind nicht nur der Einsatz von pflanzlichen Rohstoffen, sondern auch faire Produktionsbedingungen und soziale Verantwortung. Ganz besonders interessant fand ich unter diesem Aspekt die Geschichte des Labels „Quirau“, welches durch seinen Sitz in Peru vermutlich auch gleichzeitig die längste Anreise nach Berlin hatte. :))

Grüne Mode Fashion Week Alpakawolle

Quirau fertigt seine Kollektionen aus einem ganz besonderen Material: Alpakawolle. Dazu werden Alpakas verschiedenen Alters geschoren und deren Wolle zu den unterschiedlichsten Kleidungsstücken weiter bearbeitet. Alpakas müssen eh jährlich geschoren werden, um deren Gesundheit zu erhalten. Wieso das „Abfallprodukt“ dann nicht gleich weiter verwenden?

Sind die Tiere noch wenige Monate alt, ist deren Wolle besonders fein und dünn. Diese Stoffe benutzt Quirau besonders für zarte Pullover und Shirts. Das Fell der älteren Tiere ist hingegen wunderbar für dickere Strickware geeignet. So süß der Gedanke, dass der Stoff, den man auf der Haut trägt, einst noch auf dem Körper eines Alpakas durch die Lande von Peru geschlendert ist!

Grüne Mode Fashion Week Alpakawolle

Der Designer des Labels Jose Miguel Valdivia erklärte uns, dass die Stücke, auch beispielsweise Schals aus weiteren biologischen Materialien, von Peruanischen Frauen per Hand gefertigt werden. Ihm ist es wichtig, den Damen eine Plattform zu liefern, um ihre Werke auch professionell verkaufen und damit Geld verdienen zu können.

Ein tolles Projekt, das bei uns auf jeden Fall Eindruck machte!

Grüne Mode Manja

Muss zwischendurch auch mal sein: Ein Schnappschuss von Manja, wie sie fleißig die Stände der Aussteller fotografiert.

Was sich alles aus natürlichen Materialien für kleine Kunstwerke fertigen lassen, haben wir beim Handtaschenlabel „Larone“ erfahren. Alles was du hier siehst ist aus Muscheln, Holz und Pflanzenfasern entstanden. Die verwendeten Materialien sollen auf die Schönheit der Natur auf den Philippinen aufmerksam machen, wo die Taschen hergestellt werden.

Die Hersteller legen besonderen Wert darauf, alles per Hand fertigen zu lassen – ob nun gestickt, gewebt, oder geflochten – sodass auch die besondere Wertigkeit, Qualität und Schönheit der Taschen gewährleistet wird. Auch gleicht so kein Stück dem anderen.

Grüne Mode Taschen

Meiner Meinung nach würden die Stücke ja auch wunderbar zur Vintage Mode passen, schau doch beispielsweise die tollen Korbtaschen an!

Grüne Mode TaschenGrüne Mode Taschen

Manja war besonders von der handbestickten Blumen-Tasche angetan. Passt auch wunderbar zu ihr, nicht wahr?

Leider gibt es die Taschen momentan hauptsächlich in Asien zu kaufen, die Designer arbeiten aber daran, den Export nach Europa auszubauen. Das würde uns Ladies doch sicherlich freuen!

Grüne Mode TaschenWunderschön finde ich auch dieses Stück – Pfauenfedern aus Perlen und Pflanzenfasern.

Was Handarbeit so alles kann…

… zeigte uns auch „Ariadne’s Thread“. Das griechische Label, übrigens benannt nach einer Figur aus der antiken Mythologie, möchte mit seiner Arbeit den Fokus auf die beinahe vergessenen, typisch griechischen Handarbeiten legen.

Dazu gehört besonders das Klöppeln. Die alte Tradition des Klöppelns kämpft ums Überleben und so wird dieser besonderen Art der Spitzenherstellung wieder Leben eingehaucht. Zur Philosophie der Marke gehört, sich in der heutigen Zeit, die so von Hektik und modernen Techniken bestimmt wird, wieder auf die eigenen Wurzeln zu besinnen, Tradition, Folklore und Mythen in die Gegenwart zu holen und diese als Inspiration für die eigene Kreativität zu nutzen.

Grüne Mode Klöppeln

Detailaufnahme, wie kleine Elemente geklöppelt werden. Mit diesen werden dann die Kleider von Ariadne’s Thread bestückt und geschmückt.

Grüne Mode KlöppelnNatürlich wird bei der Herstellung dieser Kleidung großer Wert auf nachhaltige Materialien gelegt, welche sich auch besonders angenehm auf der Haut anfühlen sollen.

Eine weitere Art, Kleidung mit besonderen Elementen zu Stücken, haben wir beim finnischen Label „muka va“ entdeckt, welches die Bezeichnung „Grüne Mode“ so ganz wortwörtlich nimmt. Denn für die Kleidung von muka va werden nicht einfach nur auf Messen farbige Stoffe eingekauft, um daraus schöne Kleidung zu schneidern. Bei den mit Topfpflanzen verzierten Hosen, Kleidern und Tops haben bildende Künstler die Vorlage für das Design geliefert.

Dafür wurde das Motiv zunächst auf Papier aufgemalt und danach abfotografiert. Mithilfe der Fotos entstand der Print für den Stoff.

Grüne Mode Muka

Grüne Mode Muka

Sommerlich und tropisch – und das sogar mit finnischen Topfpflanzen!

Unten siehst du, wie die „bemalte“ Kleidung getragen aussieht.

Grüne Mode MukaEine sehr süße Idee, nicht nur umweltbewusste Mode zu produzieren, sondern die Natur auch gleichzeitig auf der Mode darzustellen. Allgemein waren so einige skandinavische Labels beim GreenShowroom vertreten!

We are one! Aus Liebe zur Tierwelt.

Gegen Ende unseres Rundgangs hat mich noch ein Aussteller mit seiner Arbeit ganz besonders bewegt: „Better on me“. Eine junge Dame, die nach eigener Aussage überhaupt nichts mit der Modebranche zu tun hat, hat mit ihren T-Shirts das auf den Punkt gebracht, was uns allen bei nachhaltiger Mode in Bezug auf Tierschutz besonders wichtig ist: Wir sind eins!

Grüne Mode Fashion Week Tierschutz

Grüne Mode Fashion Week Tierschutz

Wie nehmen wir Menschen uns das Recht, Tiere zu töten? Wieso können wir darüber entscheiden, ob ein anderes Lebewesen lebt oder stirbt? Und wieso halten wir uns den Tieren gegenüber für etwas besseres?

Sehr bewegende Worte, die auch mich im Zusammenhang mit dem Thema Fast Fashion schon lange beschäftigen. „Better on me“ bringt es mit seinen Foto-Shirts auf den Punkt und zeigt sofort, worum es geht: Dass den Tieren ihr eigenes Fell doch am besten selbst steht!

Die junge Dame, die hinter dem Label steckt und selbst seit etwa 20 Jahren vegan lebt, möchte ihre Mode ganz bewusst für Kommerz nutzen, jedoch auf positive Art. Sie schließt Verträge mit Tierfotografen, deren berührende Motive sie auf ihre Shirts drucken lässt. Um den Menschen zu zeigen, dass wir auch zu den Tieren gehören und doch so viel besser als Freunde, denn als deren Mörder zusammen leben könnten!

We are one – wir sind eine Welt, eine Rasse. Die Motive auf den Shirts zeigen Tierschutzorganisationen und deren Aktivisten. Ein Teil ihrer Einnahmen spendet die Prager Designerin deshalb auch an diese Organisationen, um sie bei ihren Projekten zu unterstützen – dazu gehören etwa das Durchsetzen von Tierschutzrechten, der Anbau von Bäumen in der Tschechischen Republik, oder der Kampf gegen Tierquälerei.

Die auf der Kleidung abgebildeten Tiere sind allesamt in Obhut der Tierschützer und einst – aus verschiedensten Gründen – gerettet oder betreut worden.

Grüne Mode Fashion Week TierschutzMitgefühl zeigen.
Diese Tierschützerin wird von einem Wolf geküsst. Ich liebe das Bild!

Grüne Mode Fashion Week TierschutzGrüne Mode Fashion Week Tierschutz

Doch geht es nicht nur um den Schutz der Tiere, auch die faire Produktion dieser Shirts und die positiven Arbeitsbedingungen der Hersteller sind von hoher Priorität. Ein Projekt, das absolut empfehlens- und bewundernswert ist!

Schau gern auf betteronme.com vorbei, wenn du das Projekt unterstützen oder mehr darüber erfahren möchtest. Dort siehst du auch das wunderschöne Gesicht, das hinter dieser tollen Idee steckt!

Und zur Belohnung…

…nutze ich die Fashion Week sehr gern, tolle Menschen nach langer Zeit mal wieder persönlich zu treffen.

Grüne Mode Selfie Spot

Am Ausgang des GreenShowroom wurde eine Selfie-Wand aufgebaut. :)) Übrigens war ich auch selbst in Grüner Mode unterwegs: Die Ledertasche ist bei mir bereits in dritter Hand, und das Vintage Kleid gehörte einst meiner Großmutter. 

Grüne Mode Mademoiselle Tambour

Im Plausch mit der lieben Monika Tambour.

Nach unserem – wirklich sehr ausführlichen – Besuch in der Welt der Grünen Mode bin ich nach Friedrichshain gepilgert, und habe dort noch ein paar nette Ladies besucht.

Für Monika, Designerin von Mademoiselle Tambour, bin ich vor knapp zwei Wochen nach Köln gereist, um mit ihr die neue Kollektion für Frühjahr / Sommer 2017 abzulichten. Es war ein großartiger, wenn auch (dem Wetter geschuldet) absolut chaotischer Shootingtag und so war es eine tolle Gelegenheit, sie noch einmal zu treffen und über die verrückten Erlebnisse zu plaudern.

In Berlin auf der Fashion Week stellt sie Bloggern und Händlern regelmäßig ihre neuen Stücke vor. Auch im Januar habe ich sie bereits dort bereits besucht, wie du in diesem Beitrag zur Winter Fashion Week sehen kannst.

Grüne Mode Mademoiselle TambourBloggerin Sandra alias „Retrocat“. Sehr nett, sich auch mal offline kennenzulernen!

Das Outfit unten gehört zur neuen Kollektion von Mademoiselle Tambour. Ich liebe den Margheriten-Print sehr.

Grüne Mode Mademoiselle Tambour

Und so war es ein langer, doch sehr ereignis- und lehrreicher Tag auf der Fashion Week in Berlin.

Mein Fazit fällt sehr positiv aus: Ich bin unglaublich beeindruckt, was sich zum Thema Grüne Mode alles tut, welche ausgefallenen Innovationen und Materialien sich den Weg in die Kleiderproduktion bahnen und wie vielen Menschen es am Herzen liegt, unserer Umwelt etwas Gutes zu tun.

Du siehst, das Thema Grüne Mode besteht längst nicht mehr nur aus kratzigen Strickjacken und schlabberigen Hosen. Es besteht aus vorbildlichen Menschen und schönen Designs. Ich freue mich!

Weitere Beiträge zum Thema Grüne Mode:

Fast Fashion – Die brutale Industrie der Vernichtung & was du dagegen tun kannst
Hochwertige Damenmode fair produziert – Ein Besuch im Indigo Room Leipzig
1 Schnitt, 10 Kleider – So kannst du deine Mode selbst nähen

Das könnte dir auch gefallen

4 Kommentare

  • Antworten Sandra 30. Juni 2016 at 16:49

    So ein zauberhafter Beitrag!
    Es ist wirklich toll, dass es immer mehr schöne grüne Mode gibt. <3

    Liebe Grüße,
    Sandra

    • Antworten Vintagemaedchen 5. Juli 2016 at 10:26

      Lieben Dank Sandra,

      das freut mich, dass es dir gefällt. Ich bin auch gespannt, was es weiterhin für tolle Entwicklungen in dem Bereich gibt!

      Liebe Grüße,
      Victoria

  • Antworten Julia 5. Juli 2016 at 14:26

    pssst: um mal kurz hier aufkommende Illusionen zu stören: Rhabarberleder ist ein tierisches Produkt. Es wird nur eben nicht mit Chromsalzen sonder mit pflanzlichen Extrakten gegerbt. (Ganz ursprünglich gerbte man ja mit menschlichem Urin … das könnten wir auch als ökologisch feiern)

    • Antworten Vintagemaedchen 5. Juli 2016 at 18:46

      Vielen Dank für den Hinweis liebe Julia, das werde ich inhaltlich gleich korrigieren :))

      Liebe Grüße,
      Victoria

    Kommentieren