Halloren – Deutschlands älteste Schokoladenfabrik

16. Dezember 2014

Halloren Schokoladenfabrik Vintagemädchen
Die „Desserträume“-Pralinen* von Halloren.

Halloren – ein Traum aus Schokolade

‚Theobroma‘, die Speise der Götter.

So benannte der schwedische Naturforscher Carl von Linné im 18. Jahrhundert die lateinamerikanische Kakaopflanze. Bis heute ist dies der botanische Name des exotischen und sagenumwobenen Gewächses.

Ich habe Halloren, Deutschlands älteste Schokoladenfabrik besucht, um der jahrtausendealten Geschichte der Schokolade auf die Spur zu kommen. In ihrer Erlebniswelt bietet Halloren einen wunderbaren Einblick in den Mythos dieser Kostbarkeit – Von den Ursprüngen der Kakaoverarbeitung in Mittelamerika bis hin zu den Anfängen der Schokoladenherstellung, und natürlich der Entstehung und Entwicklung der ersten Schokoladenmanufaktur in Halle.

Die Geschichte der Schokolade

Schnabuliert genüsslich eine Tafel Schokolade und kommt mit mir auf eine spannende und genussvolle Reise durch fremde Kulturen und alte Zeiten.

Die erste Liebe zum Kakao…

…reicht bis über 3000 Jahre zurück.

Die Olmeken (ca. 1500-400 v.Chr.) waren die erste Hochkultur Mittelamerikas. Sie bauten Städte und betrieben Ackerbau am fruchtbaren Tiefland der mexikanischen Golfküste. Monumentale Steinskulpturen sind ein besonderes Merkmal dieser Indianer, errichtet für spezielle Rituale.

Halloren Schokoladenfabrik Vintagemädchen

Vermutlich über Handelsbeziehungen gelangte der Kakao, von den Einheimischen als ‚kakawa‘ bezeichnet, in die olmekischen Gebiete. Dieser wurde damals als Getränk zubereitet, unter Zugabe von Gewürzen wie Vanille, Chili oder Piment. Da sie, im Gegensatz zu heute, nicht gesüßt wurde, hatte die Urform der Trinkschokolade einen eher herben und bitteren Geschmack.

In mündlich überlieferten Mythen der mesoamerikanischen Indianer war der Kakao ursprünglich im Besitz der Götter und Geister. Kakao wurde sogar eine heilende Wirkung zugesprochen und sollte dem Trinkenden ein langes Leben und Fruchtbarkeit verleihen.

Auch bei den Maya und den Azteken wurde der Kakao als wertvolle Pflanze geschätzt und durch seine große Bedeutung war er dem Adel vorbehalten. Sogar als Zahlungsmittel wurden die wertvollen Bohnen eingesetzt. Von den Azteken stammt übrigens auch der Name für die mit Wasser gemischte Kakaogetränk: ‚Xocolatl‘.

Schokoladenfabrik Halloren Vintagemädchen

Helene Souza/pixelio.de

Der Kakao in Europa

Im 16. Jahrhundert begann auch der Kakao-Konsums in Europa. Durch den spanischen Eroberer Hernán Cortés eingeführt, gelangte das Getränk durch Zugabe von Rohrzucker und Honig zu wachsender Beliebtheit. Von Spanien aus verbreitete sich der Kakaohandel in der ganzen Welt.

Zu Zeiten des Barock kam die erste Blütezeit des Kakao-Konsums auf. Schokoladenhäuser wurden gegründet und das Luxusgut heiße Schokolade wurde das beliebteste Adelsgetränk.

Die Schokoladenproduktion in Halle beginnt

1804 gründete der Konditormeister Friedrich August Miethe eine kleine Konditorei und Honigkuchenbäckerei. Dort wurden die ersten Schokoladenprodukte hergestellt. Als Mitte des 19. Jahrhunderts Friedrich David das Geschäft übernahm, schuf er mit dem Café David an der Alten Promenade einen der beliebtesten Treffpunkte der Stadt, an dem etwa 1.400 Menschen Platz fanden.

Halloren Vintagemädchen

Innenhof des Café David um 1920.

Mit Beginn der Industrialisierung wurden die Weichen für die erste Schokoladenfabrik gestellt. Über 2.500 Mitarbeiter (heute sind es noch ein Zehntel davon!) produzierten die Köstlichkeiten.

‚Mignon‘, eine der ersten Markenpralinen der Welt, zählte wohl zu den süßesten Versuchungen überhaupt. Durch die industriellen Produktionen war es nun auch den ‚einfachen Menschen‘ vergönnt, sich der wunderbaren Schokolade hinzugeben.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts konnte Schokolade dann auch in fester Form genossen werden. Einen großen Anteil dabei trug der Schweizer Rudolphe Lindt, welcher die Technik des Conchierens erfand. Dadurch wurde die Schokolade besonders zart und cremig.

Halloren Schokoladenfabrik Vintaemädchen

Nach dem zweiten Weltkrieg lief die Produktion wieder erfolgreich an, doch wurde die Familie David 1950 enteignet und die Firma einem Süßwarenkombinat überschrieben.

Halloren Vintagemädchen

Die Produktion um 1960.

Besonders faszinierend finde ich die Entwicklung der Schokoladenverpackungen im Laufe der Jahrzehnte. In der Ausstellung der Halloren Fabrik kann der Besucher sich auf eine Zeitreise durch die Packungs-Designs begeben. Schon auf den ersten Blick lassen sich die Einflüsse der verschiedenen Stilrichtungen erkennen.

Wunderschön, oder?

Halloren Schokoladenfabrik 20er

20er Jahre

Schokoladenfabrik Halloren Vintagemädchen

30er Jahre

Schokoladenfabrik Halloren Vintagemädchen

50er Jahre

Schokoladenfabrik Halloren Vintagemädchen

60er Jahre

Die Geburt der Halloren Kugeln

Schokolade war in den Nachkriegsjahren ein teueres Produkt. Eine kreative und sparsame Lösung musste her!

So wurde zur Füllung auf Milch und Zucker zurückgegriffen. Um ein besonderes Geschmackserlebnis zu schaffen, rührte man eine Zuckermasse mit Kakao an und kombinierte diese mit einer Sahnecreme.

Zweifarbige Fondantplatten wurden ausgerollt, in Streifen geschnitten und zu kleinen Kugeln geformt. Diese Zweiteilung der Füllung ist eine Besonderheit der köstlichen Schokokugeln, welche später noch mit Zartbitterschokolade umhüllt wurden. Es entstand 1952 die erste ‚Volkspraline‘ der DDR.

Bis heute ist die Rezeptur unverändert. Ihren Namen erhielt sie von den Trachten der halleschen Salzwirker, deren Knöpfen die Kugel sehr ähnlich war. ‚Halloren‘ wurden die Brüder dieser Bruderschaft genannt und gaben der süßen Köstlichkeit ihren unverwechselbaren Titel.

Halloren Schokoladenfabrik Vintagemädchen

Die größte Hallorenkugel der Welt lässt sich in der Hallenser Ausstellung bewundern. Ihr Gewicht beträgt stolze 200kg. Verführerisch!

Anfangs waren diese nur als Bückware erhältlich und dementsprechend sehr gefragt. Direkt nach der Maueröffnung musste die Fabrik jedoch um ihre Existenz bangen. Westschokolade war heiß begehrt und so sank der Absatz rapide.

Paul Morzynski, ein Wirtschaftsprüfer aus Hannover, nahm das Projekt in die Hand und erwarb den Betrieb. Obwohl er zunächst gar nicht wusste, dass sich hinter ‚Halloren‘ eine Schokoladenfabrik verbarg, schaffte er es im Laufe der Zeit, mit Hilfe moderner Produktionstechniken die ‚Kugel wieder ins Rollen zu bringen‘ und die Umsätze erheblich zu steigern. Der Erfolg der Fabrik nach der Wendezeit wurde 2007 mit dem Börsengang gekrönt.

Über 60 Jahre hat die wunderbare Süßigkeit Halloren-Kugel nun auf dem Buckel. Heute rollen pro Schicht etwa 5.000kg vom Band.

Halloren Vintagemädchen

Als eine echte Praline darf sie übrigens nicht bezeichnet werden, da sie die Mindestmenge von 25% Kakaoüberzug unterschreitet.

Heute gibt es unzählige Variationen und Geschmacksrichtungen der Halloren Kugeln. Gerade habe ich die schöne „Nostalgie-Packung“ entdeckt, mit einem Hauch Retro. Hier findest du sie im Online-Shop: Halloren Kugeln Nostalgiepackung*. Ob ausgefallen mit Schwarzwälder Kirschwasser* oder ganz klassisch in einer Kombination aus Sahne und Kakao* – für jeden Gusto gibt es die eine große Auswahl an Gaumenfreuden.

Ich fand es unglaublich spannend, in die Geschichte der Schokoladen- und Esskultur einzutauchen. Über Tausende von Jahren hat sich dieses Produkt bis heute als eine der beliebtesten Köstlichkeiten bewährt. Eine Welt ohne diese braune Kostbarkeit wäre doch gar nicht vorstellbar, oder?

Das Schokoladenzimmer

Ich bin immer noch total verzaubert von meinem Besuch, dem Rundgang durch die schokoladig duftenden Hallen. Einen ganz besonderen Schatz habe ich für euch bis zum Schluss aufbewahrt: Das einzigartige Schokoladenzimmer der Halloren Fabrik.

Halloren Schokoladenfabrik Vintagemädchen

Im heimeligen Biedermeier-Stil entstand aus 1400 kg Schokolade und etwa 300kg Marzipan ein kleines Paradies für alle Schoko-Liebhaber. Nicht nur Einrichtung und Deko sind aus der Süßigkeit gemacht oder damit überzogen, selbst die Wände wurde mit Schokolade gestrichen.

Wer übrigens noch nicht genug hat von der Geschichte und Herstellung der Schokolade, kann auch gerne selbst mal bei Halloren und ihrer Erlebniswelt vorbeischauen. Die ‚gläserne Produktion‘ bietet Einblick in die Herstellung der Halloren Pralinen und Hallorenkugeln. Ein Grund für euch, sich in Halle selbst auf die Reise durch die Welt der Schokolade zu machen. Es ist ein Erlebnis für alle Sinne.

Mit diesen wunderbaren, verführenden Bildern verabschiede ich mich aus meinem kleinen Rundgang und wünsche euch nun viel Vergnügen beim Naschen.

Vintagemädchen Schokoladenfabrik Halloren

Vintagemädchen Schokoladenfabrik Halloren

Falls du nun selbst Lust auf die große Schokoladen-Vielfalt von Halloren hast, findest du hier eine riesige Auswahl: Halloren Online kaufen.*

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13 Kommentare

  • Antworten Dania 16. Dezember 2014 at 10:25

    Ich bin ein riesen Schoko-Fan und finde deinen Post echt interessant! Finds echt toll, dass so ein Einblick angeboten wird. Ach ja und tolle Bilder! 🙂 LG

  • Antworten Missi 16. Dezember 2014 at 11:15

    Mmmh, lecker! Ich war im November im Lindt-Schokoladenmuseum in Köln, das fand ich auch sehr spannend 🙂 Schöne Fotos hast Du gemacht!

    Liebe Grüße,
    Missi von Himmelsblau

  • Antworten Ina 16. Dezember 2014 at 13:03

    Ein toller Post. Ich liebe Hallorenkugeln. Würde ich auch glatt mal besuchen 🙂
    LG Ina
    http://inaisst.blogspot.com/

  • Antworten Marie-Theres 16. Dezember 2014 at 13:07

    Ich mag Hallorenkugel auch sehr gerne, allerdings bin ich laktoseintolerant und vertrage sie daher nicht. 😀
    Liebe Grüße,
    Marie <3

    • Antworten Vintagemädchen 16. Dezember 2014 at 14:54

      Liebe Marie, ich vertrage leider auch keine Milch. 🙂
      Aber der Duft in den Hallen des Museums hat mich auch schon sehr schokoladig gestimmt, und ein, zwei Kugeln genascht habe ich trotzdem mal.

      Liebste Grüße,

      Victoria

  • Antworten Anita 16. Dezember 2014 at 13:22

    Ohhhh! Wie gern würde ich dort auch mal hin!! Hallorenkugeln sind der Hammer 😀

    Liebst

    Anita

    http://theapplepig.blogspot.de

  • Antworten Nele 16. Dezember 2014 at 17:59

    Oh da möchte ich auch hin! Sieht das toll aus 🙂
    und dein Blog ist übrigens super süß! Gefällt mir richtig gut!
    Liebst, http://ichbinnele.blogspot.de/

    • Antworten Vintagemädchen 18. Dezember 2014 at 21:00

      Wie lieb von dir, ich freue mich immer über positive Kritik!
      Liebe Grüße,
      Victoria

  • Antworten Debbie 19. Dezember 2014 at 11:41

    Sehr interessanter und informativer Post! Jetzt hab ich total Lust auf Schokolade bekommen, schade dass dieses Museum so weit weg ist…

  • Antworten Kathrin 21. Dezember 2014 at 18:10

    Boah, musste nach dem Lesen erst mal Schokolade „schnabulieren“…super recherchierter post! und so tolle Fotos dazu! Halloren sind aber auch immer wieder lecker!

  • Antworten fräulein kirsten 10. Januar 2015 at 13:13

    Aloha 🙂 Dein Artikel hat mich durch deine detailreiche Recherche mitgezogen. Ich finde Blogs richtig super, bei denen (unaufdringlich) Wissen vermittelt wird (mein noch unerreichtes Ziel 😉 🙂 !!!!! Du hast eine wunderbare Art zu schreiben! Klar, zielgerichtet, verständlich und überzeugend. Dass du Kunstgeschichte studiert hast schwingt überzeugend mit

    • Antworten Vintagemädchen 30. Mai 2015 at 17:58

      Liebes Fräulein Kirsten,

      vielen Dank für die wunderbaren Worte! Ach das freut mich sehr, wenn meine Beiträge so gut ankommen. Das Schokoladenmuseum in Köln habe ich als Kind mal besucht, also wird es langsam wieder Zeit! 🙂
      Liebe Grüße,
      Victoria

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