Buchtipp: Hanni Münzer „Marlene“

11. September 2016

Über eine Widerstandskämpferin im Zweiten Weltkrieg.

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München, Juli 1944. Erschüttert steht Marlene vor dem ausgebombten Haus am Prinzregentenplatz Nummer 10. Was Marlene zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß – das Stauffenberg Attentat auf Adolf H. ist gescheitert. Sie kommt nach München, um ihren Freunden Deborah und Wolferl zur Flucht zu verhelfen. Nun steht sie vor deren zerstörtem Haus und ist sich sicher: beide sind tot.

Als ich das Buch „Marlene“ in den Händen hielt, wusste ich bereits, dass es keine einfache Kost sein wird. Dass es um Krieg geht, um Widerstand und um starke Frauen. Dass es mich jedoch so bewegt, mich im Nachhinein noch tagelang beschäftigen wird, mich vor diesem Beitrag nicht ruhig schlafen lässt, das konnte ich wahrlich nicht voraussehen.

Hanni_Münzer_Marlene

„Gewidmet den Widerstandskämpferinnen des Zweiten Weltkriegs. Sie sind Heldinnen.“

„Marlene“ ist ein Buch von Gegensätzen. Es erzählt über das Leben, Kraft, Liebe, Optimismus, Zusammenhalt, Schicksal. Sowie über den Tod, Hass, Missbrauch, Folter und unbeschreibliche Brutalität.

Das Buch spricht über Menschen, die trotz aller Aufklärung über den Krieg und die Nationalsozialisten, trotz aller Aufarbeitung der jüdischen Geschichte noch recht unbekannt sind: Es geht um Frauen. Frauen, die in den schlimmsten Zeiten des Krieges im Widerstand kämpften, ihr Leben für hunderttausende Menschen opferten, weil sie den Glauben an den Frieden und an das Gute im Menschen nie verloren haben.

Stille Heldinnen, denen ab und zu gedacht werden sollte.

„Wie sollte man in diesen Zeiten nicht das Vertrauen in die Menschheit verlieren? Die Guten ragten nicht als Leuchtturm aus der braunen Masse heraus. Sie mussten sich verstecken, agierten im Verborgenen, denn Menschlichkeit galt als Verrat.“

Die Autorin dieses Buches, Hanni Münzer, scheint schon ihr ganzes Leben mit dem Lesen und Schreiben verbracht zu haben. Erste große Erfolge feierte sie seit 2013 mit ihren „Seelenfischer“ – Werken. Bereits 2015 veröffentlichte sie im Piper Verlag einen Roman, welcher sich dem Schicksal einer Familie vor und während des Zweiten Weltkrieges widmet.„Honigtot“ ist das Vorgängerbuch von „Marlene“ und erreichte Platz zehn der Spiegel Bestsellerliste. Vielleicht hast du es ja auch schon gelesen?

Es erzählt unter anderem die Vorgeschichte der Protagonistin Marlene Kalten. Die Handlungen sind jedoch unabhängig voneinander konstruiert, sodass der Leser (ebenso wie ich) ohne Vorkenntnisse sofort in das Geschehen des zweiten Buches eintauchen kann.

In „Marlene“ möchte sie ihren Lesern die Augen öffnen. Dass es an uns ist, den ewigen Kreislauf der Kriege zu durchbrechen.

Hanni_Münzer_Marlene

„Ich habe schon lange keinen Sonnenuntergang mehr gesehen. Als würde der Himmel brennen…“ – „Nein, die Welt brennt.“

Die Nahrungsmittel nach Marlenes Ankunft in München sind knapp, zahlreiche Menschen sind verschüttet. Andere wiederum versuchen verzweifelt, in den Trümmern ihrer ehemaligen Wohnungen Angehörige zu finden. Bereits vor fünf Jahren erhielt Marlene Kalten ihren ersten Unterricht als Spionin. Die alten Kontakte helfen ihr, erst einmal Unterschlupf zu finden, und ihre nächsten Schritte zu planen.

Der Tod ihrer Freunde ist noch ein Grund mehr, das große Ziel weiter zu verfolgen: den Widerstand gegen die Nationalsozialisten zu forcieren.

Zwischen den Trümmern der Häuser begegnet sie Trudi, einem quirligen, lebensfrohen und neugierigen Teenager, der während des ganzen Buches an ihrer Seite bleiben wird. Ausstaffiert mit Nazi-Kleidung und gefälschten Papieren wagen sich beide in die Höhle des Löwen, umzingelt von Nationalsozialisten, in einen Zug nach Warschau. Sie schließen oftmals unfreiwillig Bekanntschaften, die ihnen später noch zum Verhängnis werden sollen.

Hanni_Münzer_Marlene

Doch es kommt, wie es kommen musste. Eines Tages fällt die Maske und Marlene wird als jüdische Widerstandskämpferin entlarvt. Eine Zeit von brutaler Qual, Verzweiflung und unbeschreiblichem Leid beginnt. Denn sie wird an einen Ort verfrachtet, den kaum ein Gefangener lebend wieder verlässt.

„Marlene begriff, wohin man sie gebracht hatte… dass sie sich an einem der furchtbarsten je von Menschenhand geschaffenen Orte befand, einer Stätte ohne Gnade und Mitleid.“

Marlene versucht, während ihrer Gefangenschaft im KZ Auschwitz Verbündete zu finden, Waffen zu besorgen und schmiedet gefährliche Pläne, die Nazis in eine Falle zu locken und zu vernichten. Um zu überleben, muss sie viele Dinge tun, die über ihre Menschenwürde hinausgehen – und doch bewahrt sie bis zum Schluss ihre Selbstachtung und ihren Kampfgeist.

„Nie zuvor bin ich einer Frau wie Ihnen begegnet. Sie würden noch im Maul eines zehn Meter langen Alligators eine Diskussion mit ihm beginnen, damit er Sie nicht verspeist.“

Die Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945 war kein glücklicher Tag. Es war ein Tag der Trauer, der Toten, der letzten Überlebenden, die abgemagert, krank, humpelnd und im eisigen Schnee kriechend langsam die Mauern des Todes verließen. Die Szene, in der Hanni Münzer die Befreiung des KZ beschreibt, hat mich besonders bewegt. Beim Lesen spürte ich selbst, wie es Marlene die Kehle zuschnürte – dieser grausige Anblick der Überreste des Terrors.

Doch dieser erste Schritt in Richtung Freiheit ist noch längst nicht das Ende…

Hanni_Münzer_Marlene

„Warum lehren wir unsere Kinder nicht, dass der Sinn des Lebens die Liebe ist?“

Trotz aller Schrecken gab es auch wundervolle Erfahrungen in der Zeit der Gefangenschaft. Menschen, die Marlenes Weg kreuzten, die selbst unter den schlimmsten Bedingungen füreinander da waren. Und den einen Mann, der sie noch einmal die große Liebe erfahren lässt. In engem Zusammenhalt mit ihren Schicksalsgefährtinnen macht Marlene Dinge möglich, die kaum für möglich erscheinen.

Mit unbändiger Willensstärke, ausgezeichneter Menschenkenntnis und Berechnung stellt sie sich in den dunkelsten Zeiten dem Schrecken entgegen. So ist dieses Buch unglaublich fesselnd – vom Anfang bis zum Schluss.

„Mein Leben und dein Leben sind nicht wichtig. Wichtig ist die Sache, für die wir kämpfen.“

Es geht im Roman von Hanni Münzer nicht nur einfach um Krieg und Tod. Marlenes Lebensgeschichte handelt von Liebe, Fürsorge, Aufopferung und das ganz große, auch heute von unserer Welt so weit entfernte Thema: Frieden.

Ich denke, Hanni Münzer hat es auf jeden Fall gemeistert. Uns am Beispiel von Marlene auf authentische, ehrliche und hingebungsvolle Weise Einblick in die zahlreichen Schicksale der Widerstandskämpferinnen des Krieges zu geben.

Frauen, deren Geschichten noch viel häufiger geschrieben und gelesen werden sollten.

Gewinne eine Ausgabe von Hanni Münzer: „Marlene“!

Gemeinsam mit dem Piper Verlag verlose ich ab dem 11. September eine Ausgabe von „Marlene“. Dafür musst du nur unter diesem Beitrag oder unter meinem Facebook Post folgende Frage beantworten: Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Das Gewinnspiel endet am 22.09., der Gewinner wird per Los entschieden und auf meiner Facebook Seite bekannt gegeben. Ich wünsche dir viel Erfolg!

In freundlicher Zusammenarbeit mit Blogfoster und dem Piper Verlag.

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10 Kommentare

  • Antworten Shivi 11. September 2016 at 19:56

    Hallo Victoria,
    Zuletzt habe ich „Sterne über der Alster“ gelesen, die Fortsetzung von „das Haus alsterufer“, dort geht es ja auch um Krieg und starke Frauen.
    Deinen Bericht zu dem Buch finde ich sehr interessant und um ehrlich zu sein, das erste Buch muss ich mir morgen gleich kaufen!

    • Antworten Vintagemaedchen 11. September 2016 at 20:02

      Hallo liebe Shivi,

      na dann passt das ja wunderbar zu deinem vorherigen Buch! Ich werde mir „Honigtot“ sicher auch noch zulegen. :))

      Liebe Grüße,
      Victoria

  • Antworten Moni 12. September 2016 at 9:40

    Mein letztes Buch war „Elanus“ von Ursula Poznanski

  • Antworten Martina Heyden 12. September 2016 at 14:18

    Hallo Victoria,
    als Letztes habe ich „Das dänische Mädchen gelesen“ und im Augenblick lese ich „Die Eleganz des Igels“, beides sind Bücher die auch verfilmt wurden.
    Die Buchvorstellung klingt sehr berührend. Danke dafür!
    Liebe Grüße
    Martina

    • Antworten Vintagemaedchen 14. September 2016 at 5:35

      Sehr gern, liebe Martina!

    • Antworten Vintagemaedchen 24. September 2016 at 10:28

      Liebe Martina, herzlichen Glückwunsch!

      Du hast das Buch gewonnen! Bitte sende mir deine Adresse zu.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
      Victoria

  • Antworten Gabriele Sauerland 12. September 2016 at 15:33

    Zuletzt sehr aufmerksam gelesen habe ich mein eigenes Buch 🙂
    ‚Die erste Vorsitzende wurde heute ermordet.‘
    Es ist (k)ein Krimi, sondern eine Geschichte um das Gesicht hinter der Fassade.
    Das ist es auch, was mich am Roman Honigtot fasziniert und berührt hat.
    Parallel zu ersten Vorsitzenden habe ich Arno Geiger gelesen, Der Alter König in seinem Exil‘, ein berührendes Buch über Demenz.

    • Antworten Vintagemaedchen 14. September 2016 at 5:35

      Liebe Gabriele,

      heißt das, dass du auch selbst Bücher schreibst? Das klingt ja wunderbar!

      Liebe Grüße,
      Victoria

  • Antworten Fräulein Christin 13. September 2016 at 21:55

    Ohh das hört sich interessant an, da versuche ich mein Glück! Zuletzt habe ich „Tanz des Vergessens“ gelesen von Heidi Rehn. Sehr empfehlenswert! Es spielt in den 20er Jahren, kurz nach Kriegsende in München. Hach, das würde dir auch gefallen! Viele liebe Grüße
    Christin <3

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