Myboshi – Häkeln als DIY Trend

23. September 2014

„Hauptsache erstmal machen“ – Mein Interviwe mit den Jungs von myboshi

Was bringt man als junger Mensch mit dem Begriff ‚Häkeln‚ in Verbindung?

Ältere Damen in gemütlicher Kaffeerunde mit selbstgebackenen Törtchen auf dem spitzenbedeckten Tisch und Nadeln in der Hand. Vergnüglich plaudernd fertigen sie für die Enkel ein paar Mützen und sinnieren dabei über Wolle, Luftmasche und Krebsstich. So oder so ähnlich wird wohl die Vorstellung der meisten zu diesem Thema aussehen.

Felix Rohland und Thomas Jaenisch wollen diesem ‚Vorurteil‘ mit ihrem Startup myboshi etwas entgegensetzen. Die beiden Jungs aus Oberfranken haben das altbackene Image des Häkelns entstaubt und das Handarbeits-Hobby zu einem modernen DIY-Trend gemacht.

Interview mit myboshi.

Ich habe die beiden zum Gespräch getroffen und wollte wissen, wie man auf die (doch zugegeben etwas verrückte :)) Idee kommen kann, aus einem Hobby für ältere Damen ein Unternehmen aufzubauen.

Außerdem habe ich mir Tipps geholt, wie auch jeder andere seine eigenen kleinen und großen Träume verwirklichen kann.

Jetzt ein Mal Hand aufs Herz: Zwei Junge Männer wie euch verbindet man auf den ersten Blick nicht unbedingt mit Häkelanleitungen und Baumwollmützen im Bärchen-Design. Wie kommt man darauf, mit Anfang 20 eine Häkelfirma zu gründen ?

Ehrlich gesagt ist das Ganze aus einer Langeweile heraus entstanden. Vor einigen Jahren waren wir in Japan als Skilehrer unterwegs. Die Abende dort waren ziemlich ereignislos, und irgendwann haben wir nach einer Beschäftigung gesucht. Eine spanische Kollegin hatte sich abends immer zum Häkeln hingesetzt. Da haben wir es auch selbst mal ausprobiert. Der Anfang war ziemlich mühsam. Wir mussten drei Abende schwitzen, bis unsere erste Boshi (japanisch für ‚Mütze‘) fertig war. Kurz darauf trafen wir in Tokyo zwei Australier, die uns sofort die ersten Mützen abkauften. Da haben wir gemerkt, dass es ganz cool ist!

Den Abend danach waren wir zum Feiern in einer Karaokebar. Noch beim Bierchen in Japan haben wir beschlossen, aus dem Häkeln ein Geschäft zu machen. Am nächsten Morgen konnten wir uns glücklicherweise noch daran erinnern :)).

Wie haben Familie und Freunde reagiert, als ihr mit der Idee wieder nach Hause kamt?

„Da simer uns net sicher, ob des funktionieren wird.“ Die meinten, wir seien doch verrückt! Aber unsere Freunde fanden es dann doch echt super. So haben wir anfangs über Mundpropaganda unsere ersten Boshis verkauft.

myboshi Bärchen

Mittlerweile seid ihr so erfolgreich, dass ihr im letzten Jahr über euren Online Shop myboshi.net über 20.000 individuell gestaltete Boshis an den Mann und die Frau gebracht habt. Die lasst ihr von eifrigen Omas herstellen, was für eine tolle Idee!

Wir mussten uns ziemlich schnell Hilfe holen, als wir mit dem Häkeln nicht mehr hinterher kamen. Also haben wir in der Zeitung annonciert, dass wir Rentnerinnen suchen. Wir wussten nicht, ob sich überhaupt jemand meldet! Bis 11:00 haben aber schon 70 Leute angerufen, dann mussten wir das Telefon abstellen. Mittlerweile arbeiten 30 Rentnerinnen für uns. Für sie ist das auch super – von 600€ Rente kann man ja kaum noch leben. So können sie noch 450€ im Monat dazuverdienen.

Irgendwann kam auch euer erster Häkel-Guide* auf den Markt.

Genau. Ein Verlag hat einen TV-Bericht über uns gesehen. Die fragten uns, ob wir nicht ein Handarbeitsbuch schreiben wollen. Und wir dachten uns, „jetzt mal Butter bei die Fische. Handarbeit interessiert ja eh keinen!“
Aber wenn wir ein Buch schreiben, dann haben wir was, das wir später mal unseren Kindern und Enkeln zeigen können. Schau mal, was der Opa damals gemacht hat! Dass unsere Bücher so erfolgreich werden, damit haben wir nicht gerechnet. Sie sind heute die bestverkauften Handarbeitsbücher, die es jemals in Deutschland gab. Und unser mittlerweile viertes Buch, 4 Seasons*, liegt derzeit auf Platz eins der Verkaufscharts.

Warum, denkt ihr, ist das Häkeln so beliebt geworden?

Junge Leute wollen einfach gern etwas mit ihren eigenen Händen machen. Fernsehen und Computerspiele sind doch langweilige 2D-Erlebnisse.
Wir wollen ein 3D-Erfolgserlebnis schaffen. Unsere Vorschläge sind für alle schnell und einfach nachzuarbeiten. Das ist ein tolles Gefühl, wenn man selbst etwas hergestellt hat. Und Selbstmach-Ideen werden immer beliebter.

Zu euren Anleitungen gibt es auch gleich peppige myboshi Wolle* dazu.

Wir wollten Wolle in jungen, fröhlichen Farben produzieren. Anfangs haben uns viele Firmen abgelehnt. Denn wer will schon Handarbeitsgarn für junge Leute?
Dann haben wir das eben selbst in die Hand genommen. Seitdem kann man in unserem Online Store coole, fertige Wolle kaufen.

myboshi - Wolle.

Myboshi wurde im Jahr 2009 gegründet. Habt ihr vom ständigen Häkeln nicht langsam die Nase voll?

Wenn man 10 Boshis am Tag herstellen muss, wird es mit der Zeit schon anstrengend. Seit die Omis für uns häkeln, hat sich das aber geändert. Mittlerweile machen wir hauptsächlich Schreibtischarbeit. Deshalb freuen wir uns wieder richtig darauf, privat oder bei Kursen die Nadel in die Hand nehmen zu können.
Wir sind auf Messen unterwegs, in Handarbeitsläden, bei Stadtfesten oder in Vergnügungsparks. Wir wollen junge Leute treffen, die man für so etwas begeistern kann, und mit denen wir zusammen werkeln können.
Unser Sponsor, die Fleischerei-Firma Reinert, macht aus dem Häkeln damit ein richtiges Familienevent! Und zum Handarbeiten gibt es außerdem die leckere Bärchenwurst dazu. Die haben wir als Kinder schon immer geliebt :)) So können wir ein tolles Erlebnis für Kinder, Eltern und Großeltern schaffen.

Kommen denn auch Großmütter zu euren Veranstaltungen? Können die noch was von euch lernen?

Wir gelten mittlerweile sogar schon als Häkelkoryphäen. Sogar die Omas kommen auf uns zu, um von uns zu lernen. Aber wir haben das Häkeln ja nicht erfunden! Wir nehmen auch immer gern Tipps auf. Wir haben auch mal klein angefangen. Unser erstes Buch würden wir heute auch völlig anders schreiben. Das war eben unser „Gesellenstück“. Über die Jahre haben wir aber viel dazu gelernt.
Es ist einfach schön, zu beobachten, wie jetzt auch die jungen Enkel das Häkeln von ihren Omas lernen wollen. Der schlaue Enkel geht zu seiner Großmutter und sagt: „Oma, mach‘ mir mal was!“. Der coole Enkel sagt zu seiner Oma: „Lern mir mal, was selber zu machen!“

Gerade am Anfang ist es sehr schwer, an seinen Ideen festzuhalten und für den Erfolg zu kämpfen. Viele Leute haben große und kleine Träume, die sie gerne verwirklichen würden, sich aber nicht trauen. Was möchtet ihr denen mit auf den Weg geben?

Hauptsache erstmal machen! Unsere erste Boshi war auch kein Meisterwerk.
Man muss natürlich abwägen. Hat man eine Idee, bei der man viel Geld investieren muss und ein großes Risiko eingeht, sollte man sich schon Gedanken machen.
Aber wir hatten zum Beispiel am Anfang 15 € Startkapital, um uns Wolle und Häkelnadeln zu kaufen. Dann kann man doch einfach mal was ausprobieren! Man lernt eigentlich nur dazu.
Natürlich haben wir auch erstmal unser Studium fertig gemacht, zur Sicherheit. Aber die Firma war für uns eine tolle Erfüllung. Wir werden damit zwar nicht die Welt verändern können. Aber wir können mit unserer eigenen Kreativität etwas schaffen.
Und das Wichtigste dabei ist: Durchhalten! Zu jedem geschäftlichen Erfolg gehört die Begeisterung von seinem Produkt.

Myboshi Reinert Belantis

 

Thomas Jänisch (2.v.l.) und Felix Rohland (2.v.r.) von myboshi präsentieren beim Häkelworkshop im Belantis ihre neue Bärchen-Boshi.

Diese große Begeisterung für ihre Boshis legen Felix und Thomas in jeder Minute unseres Gesprächs an den Tag. Mit Stolz und viel Freude tragen sie ihre Boshi-Bärchen, auch wenn es mit über 20 Grad nicht das beste Mützen-Wetter ist.

Sie sind vollkommen überzeugt von ihrer Idee, und das macht die beiden auch so erfolgreich.

Mit dem Verkauf von coolen, individuellen Mützen, Handarbeitsbüchern mit spaßigen Tipps und dazu passender, flippig-bunter Wolle haben die Jungs aus einem altmodischen Hobby einen Handarbeitstrend gemacht. Ich bedanke mich für das tolle Gespräch und wünsche den beiden weiterhin ganz viel Spaß, Erfolg und Kreativität bei ihrem Vorhaben!

Ich habe jetzt einfach riesige Lust, mit selbst an die Nadel zu setzen und meine erste Mütze zu häkeln. Am liebsten auch in einem nostalgischen Café um die Ecke, mit Spitzendeckchen auf dem Tisch. Gemütlich mit Freundinnen über Wollen und Maschen plaudernd, das Ganze bei Kaffee und Kuchen. Masche um Masche, bis auch meine erste Boshi fertig ist. Und wie man sieht, ist es gar nicht so schwer! Man muss es nur „erstmal machen“.

Interview mit myboshi.

 

 

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5 Kommentare

  • Antworten Nathalie 23. September 2014 at 19:37

    Süße Mützen 🙂
    http://www.city-of-vogue.blogspot.com

  • Antworten Patty 23. September 2014 at 22:04

    Die Mützen sind echt total cool und momentan total am kommen 🙂

    Find die Idee echt super cool 🙂

    Liebe Grüße 🙂

    http://measlychocolate.blogspot.de

  • Antworten Vintagemädchen 26. September 2014 at 18:29

    Ich finde die Jungs auch spitze.
    Hoffe, ich konnte euch mit dem Artikel Lust aufs Häkeln machen!

  • Antworten Sabine Erbst 8. Oktober 2014 at 17:55

    Ich finde die Idee mit den Mützen super und habe selber schon einige für meine Familie gehäkelt. Die original Wolle dazu das Label einfach super.

  • Antworten heidi 1. Dezember 2015 at 11:58

    Jungs ihr macht das grossartig.
    Ich ziehe vor euch den hut
    Macht weiter so.!!!
    Euch weiterhin
    Viel erfolg!!

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