„Capriolen“ – Leipzigs Revue Theater der 20er Jahre

2. Juli 2016

Ein Revue Theater ganz im Stile der goldenen Zwanziger.

Willkommen im Berlin der Roaring Twenties. Einem Ort, an dem in verrauchten Jazzclubs langbeinige Revue Tänzerinnen, Gentlemen in Smoking und Zylinder, Damen mit extravaganten Kleidern, kurzgeschnittenen Haaren und knallroten Lippen die Nacht zum Tag machen und ihrer Liebe zu Absinth, Zigarren und dem Glücksspiel fröhnen.

„Heute gehen wir morgen erst ins Bett.“

Wie herrlich ist es doch, sich der Mode von Glitzer, Cloche und Frack hinzugeben und sich einen Abend lang zu fühlen, als wäre man tief im verruchten Nachtleben der 20er Jahre im Stile von Josephine Baker, Marlene Dietrich oder Gertrude Stein unterwegs. Abseits von Moral, Tageslicht und Moderne einfach den Moment zu genießen, sich der überbordenden Opulenz und ausladenden Parties hinzugeben.

Ich brauche weiter nichts als nur Musik, Musik, Musik

Das neue Revue Theater der Musikalischen Komödie Leipzig ist eine Show, die ich in Leipzig schon lange vermisst habe. Überall in Deutschland sprießen die Bohème Sauvages, Burlesque Shows und Swing Parties aus dem Boden, welche uns in die Anfänge des Showbusiness zu Beginn des 20. Jahrhunderts entführen.

Schon einmal darüber nachgedacht, dass wir in Bälde ebenfalls wieder in den Zwanziger Jahren leben werden? 

So erfreulich ist es, dass die MuKo nun auch in Leipzig in ihrer Palast-Revue „Capriolen“ all diese Aspekte vereint, die wir Zeitreisenden bis heute bei den Shows so begeistert zelebrieren: ausgelassene Feiern, mitreißende Melodien, fliegende Beine, humorvolle Inszenierungen, beeindruckende Artistik, Glitzer, Glitzer, Glitzer und – natürlich – die ganz großen Träume.

Eine wunderbare Hommage an die Anfänge der Musikalischen Komödie.

Revue Theater Capriolen Diva

Mein kleiner Auftritt vor der Show. Eine Diva sollte bei der großen Premiere nicht fehlen. Foto: Lilou – Galerie des Lebens. Der wunderschöne Oldtimer im Hintergrund, ein Ford Modell A Cabrio, stammt aus den späten 20ern.

Revue Theater Capriolen

„Ich brauche weiter nichts als nur Musik, Musik, Musik.“ Willkommen im Revue Theater der Hauptstadt!

„Sowas nennt man Capriolen!“

So lässt die erste Szene bereits vergessen, in welchem Jahrhundert wir uns befinden, als das Ballett umhüllt von Federfächern und Herren in adretten Kostümen und glitzernden Hüten die Bühne erobern.

Die Lindenauer Palast-Revue „Capriolen“ erzählt von Menschen, die, jeder für sich, seine kleinen und großen Träume hegen. Sie alle treffen sich im Grand Hotel Berlin.

Der verträumte Rezeptionist Paul probt heimlich im Keller des Hotels das Lied, das er eines Tages auf der Bühne einer großen Revue vorzuführen hofft. Gemeinsam mit seinen Freunden – Koch Alfred, Dienstmädchen Hanni und Portier Kurt – wünscht er sich nichts sehnlicher, als einen großen Auftritt in der Show-Welt.

Revue Theater Capriolen

Hanni, Paul, Alfred und Kurt schwärmen in ihrem Probenkeller von der großen Bühne.

Revue Theater Capriolen

Dieses Vierergespann habe ich während der Aufführung ganz besonders ins Herz geschlossen. Nora Lentner spielt Hanni so authentisch, humorvoll, tollpatschig – eben ein ur-Berliner Mädchen, das mein einfach nur gern haben muss.

Der Wiener Küchenchef Alfred (ganz wunderbar verkörpert von Andreas Rainer) ist – mal mehr, mal weniger nüchtern – ein absolut herrlicher, sympathischer Kerl, der viel Schmunzeln und Lacher garantiert.

Sowohl ihm, als auch Fabian Egli alias Rezeptionist Paul Hartmann höre ich wahnsinnig gern beim Singen zu. Um es laienhaft auszudrücken – die beiden haben eine so wunderbare Stimme, dass man einfach die Augen schließen und sich vom Gesang mitreißen lassen kann. Und dem hinreißenden, doch leider viel zu schüchternen Portier Kurt Schneider (Jeffery Krueger) möchte man einfach nur von Herzen gönnen, dass seine Traumfrau doch endlich seine Liebe erwidert.

Diese vier haben das große Glück, dass an ihrem Arbeitsplatz, dem Grand Hotel, der berühmte Theaterdirektor Hermann Haller (mit inbrunst gespielt von Milko Milev) absteigt, um dort ein Vorsingen für seine künftige Show im Admiralspalast zu veranstalten.

So treffen sie dort auf die bezaubernde Sängerin Gitta (Mirjam Neururer), welche schon lange davon träumt, ein gefeierter Revue Star zu werden. Dabei sind auch ihre reizenden Tiller Girls sowie die zwei Artisten Monsieur Chapeau und Zauberkünstler Sebastien Nicolas, Vizeweltmeister auf dem Weltkongress der Magier. Ebenso stellt sich eine, anfangs noch recht unsicher wirkende Gesangsgruppe junger Herren vor, die dem einen oder anderen von uns heute als „Comedian Harmonists“ bekannt sein dürfte.

Revue Theater Capriolen

Produzent Herman Haller und seine herzliche, aber etwas konfuse Sekretärin Fräulein Recknagel (Anne-Kathrin Fischer) verlesen die zahlreichen Teilnehmer des Gesangswettbewerbs für die neue Show.

Spätestens seit My Fair Lady (das Stück habe ich ganze vier Mal gesehen) gehören Nora Lentner, Milko Milev, Andreas Rainer, Fabian Egli, Mirjam Neururer und Co. zu meinen liebsten Darstellern der Musikalischen Komödie und ich habe mich sehr gefreut, all diese bei dem großen Revue Theater wieder vereint zu sehen.

Die Aufführung macht große Freude, von der ersten Minute an, in der sich der Vorhang öffnet und der erste große Auftritt die Zuschauer in die Zeitreise einlädt. Wir haben gelacht, geseufzt, und auch gehofft, dass sich zwischen den verwirrenden Liebesgeschichten, chaotischen Verwechslungen und großen Sehnsüchten für die einfach nur sympathischen Charaktere letztendlich doch noch alles zum Guten wendet. Denn es ist eben doch nicht so leicht, als einfacher Hotelportier ein großer Showstar zu werden!

Und so gibt es letztendlich eines, das all diese Menschen, ob arm oder reich, mit einander verbindet: Die unbändige Liebe zur Musik.

Ich brauche keine Millionen, mir fehlt kein Pfennig zum Glück.
Ich brauche weiter nichts als nur Musik, Musik, Musik.
Ich brauch‘ kein Schloss nur zum Wohnen, kein Auto funkelnd und chic.
Ich brauche weiter nichts als nur Musik, Musik, Musik.

Eine wundervolle Einstimmung auf das Leipziger Stück – Marika Rökk.

Ein bisschen Glamour zum Mitnehmen

Revue Theater Capriolen DivaRevue Theater Capriolen Diva

Natürlich gibt man als berühmter Filmstar auch gern Autogramme für seine treuen Fans, wie diese äußerst netten Gentlemen. :)) 

Die MuKo veranstaltet vor jeder Show ein kleines Stelldichein mit schönen Highlights, die auf die Aufführung einstimmen. Welch eine Ehre für mich, dass ich dafür selbst eines der wunderschönen Musical-Kleider tragen und vor dem Revue Theater meine eigene kleine Rolle spielen darf.

So lasse ich mich also von der Maske schminken und pudern, schlüpfe in ein wunderschönes 20er Jahre inspiriertes Ensemble und übernehme die Rolle einer berühmten Diva, die auf dem roten Teppich flaniert und von begeisterten Fans um Autogramme und Fotos gebeten wird.

Revue Theater Capriolen Diva Revue Theater Capriolen Diva 
Großen Dank an die wunderbare Fotografin und Begleitung Lilou – Galerie des Lebens.

Revue Theater Capriolen DivaIch war schon recht nervös, immerhin bin ich in solchen Auftritten nicht geübt. Aber als ich auf dem Weg in die Maske den Oldtimer vor dem roten Teppich erblickte, wusste ich, dass es einfach nur toll wird und ich den Moment genießen kann.

Die Gäste waren überrascht von der Aufmachung des Hauses mit rotem Teppich, Pianist und vielem mehr vor dem Theater und im Foyer.

Der schönste Moment war für mich, als mich ein Mädchen um ein gemeinsames Foto bat (aus Rechtsgründen zeige ich es nicht online, es ist jedoch zuckersüß geworden). Vielleicht träumt die kleine Lady ja auch davon, eines Tages ein so schönes Kleid zu tragen und Teil einer solch glamourösen Produktion zu sein?

Revue Theater Capriolen Diva Revue Theater Capriolen Diva
Fotos: Lilou – Galerie des Lebens. 

Ich freue mich auf jeden Fall sehr, noch weitere Male bei dieser schönen Aktion dabei zu sein und kann, auch als begeisterte Zuschauerin, wirklich jedem ans Herz legen, dieses liebevoll arrangierte Stück unbedingt zu besuchen.

Ein großer Dank gilt besonders der Regie-Assistentin Anna Evans und Regisseur Patrick Rohbeck, die die Idee für diese Kooperation hatten und mir die Möglichkeit gaben, die Musikalische Komödie von neuen Seiten kennenzulernen.

Capriolen Revue Theater

Paul, Alfred und Kurt müssen vor ihrem militärisch-gestrengen Chef Direktor Schultze (Schultze mit „tz“ bitteschön!), stürmisch gespielt von Konstadin Arguirov, stramm stehen.

Pauls Darsteller Fabian Egli wird Leipzig nach dieser Saison verlassen, was ich wirklich sehr bedauerlich finde.

Mir fehlt kein Pfennig zum Glück…

So… Und was genau sind denn nun eigentlich „Capriolen“? Das Internet schlägt recht amüsante Definitionen vor. „Bocksprung, Wildziege, Unsinn machen, überraschende Ereignisse“ sind nur einige davon.

Ich kann versprechen, lieber Leser, dass bei einem Besuch in diesem Revue Theater jeder für sich selbst die trefflichste Erklärung finden wird!

Revue Theater Capriolen

 

Weitere Informationen zu Show, Terminen und Ensemble findest du unter oper-leipzig.de.

In freundlicher Zusammenarbeit mit der Musikalischen Komödie Leipzig.

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