Neue Gegenden erkunden
Rokoko-Glanz entdecken

15. November 2014

Rokoko Gohlis Vintagemädchen

Die Gartenfassade des Schlösschens im Rokoko-Glanz.

Selbst, wenn man lange an einem Ort wohnt, kennt man sich oftmals in der Umgebung gar nicht so gut aus. Besonders in einer Großstadt lebt man in seinem eigenen, selbstgeschaffenen Dunstkreis. Der tägliche Weg zur Arbeit, zur Uni, zum Supermarkt, ins Lieblingscafé und wieder nach Hause ist ein sich immer wiederholender Ablauf. Täglich grüßt das Murmeltier, sozusagen.

Das ist mir auch schon öfter in Leipzig aufgefallen. Obwohl ich hier seit fast vier Jahren lebe, brauche ich nur um drei Ecken biegen, und stehe an einem mir unbekannten Ort. Was einerseits wunderbar ist, mich andererseits manchmal doch etwas besorgt. In solchen Momenten erkenne ich erst einmal, wie wenig ich meine eigene Stadt erkunde.

Aus diesem Grund haben mein Freund und ich beschlossen, uns öfter mal auf das geliebte Fahrrad zu setzen und einfach der Nase nach durch die Straßen zu gondeln. Eine Fahrt ins Blaue. Wir suchen eine Himmelsrichtung aus und schauen, was uns dort erwartet. So kann man die wunderschönsten Fleckchen entdecken, und das meist gleich nebenan!

Auf diese Weise sind wir auch zum Gohliser Schlösschen gelangt. Wir waren eben noch nie in Gohlis, also warum nicht einfach mal dorthin fahren!

Das romantische, verträumte Landhaus liegt versteckt zwischen historischen Häuserzeilen an der Rückseite des Leipziger Zoos und wird umrahmt von seinem eigenen kleinen Schlosspark. Mächtige schmiedeeiserne Tore bieten dem Besucher einen würdigen Empfang in den Garten, welcher einladend von kleinen Bäumchen und einem plätschernden Brunnen dekoriert wird.

Rokoko Gohlis Vintagemädchen

 

Sonnenuhr und Turmuhr in einem.

Es war im Jahr 1756, als der Leipziger Kaufmann Johann Caspar Richter das Schlösschen als Sommerresidenz errichten lies. Dank der guten Instandhaltung über die Jahre konnte es in seiner Form bis heute erhalten werden und ist ein zauberhaftes Beispiel der sächsischen Rokoko-Baukunst. Der Festsaal wurde durch den Leipziger Künstler Adam Friedrich Oeser (welcher übrigens Goethe im Zeichnen unterrichtete) mit wundervollen Ausmalungen geschmückt.

Das Rokoko Schlösschen kann man im Rahmen von Führungen besichtigen. Außerdem finden dort regelmäßig Veranstaltungen statt, wie Lesungen oder Konzerte.

Mich überkommt oftmals ein leichtes Staunen und, zugegeben, auch ein wenig Gänsehaut, wenn ich durch solche historischen Gebäude von anno dazumal wandle. Als ob der Geist der Zeit mich einhüllt und mir das Leben vor hunderten von Jahren zeigen möchte. Welche Persönlichkeiten haben hier ihre Tage verbracht, was für Ereignisse haben hier stattgefunden, was für Schicksale haben sich zugetragen? Wer ist wohl vor Jahrhunderten auf genau demselben Boden gewandelt und hat sehnsuchtsvoll durch die Fenster in den liebevoll arrangierten Garten geblickt?

Das Gedankenkarussell fängt sich zu drehen an und ich spaziere verträumt durch den Park. So vergisst man für einige Minuten den eigenen Alltag und taucht ein in eine Zeit, die uns heute verborgen ist.

Ich fand unseren Ausflug wirklich schön und möchte auf jeden Fall noch einmal wiederkommen.

Erstmal warten jedoch noch so viele andere Orte, die ich gerne erkunden möchte. Und das vielleicht sogar direkt um die Ecke.

Rokoko Gohlis Vintagemädchen

Geschmückte Fensterrahmungen des Risalits.

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4 Kommentare

  • Antworten Mona 16. November 2014 at 10:56

    Wie schön, man sollte wirklich mit viel offeneren Augen durch die Welt laufen für diese kleinen hübschen Orte.
    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

  • Antworten Kim 16. November 2014 at 17:26

    Da gebe ich dir absolut recht ! 🙂 Ich wohne in Kassel und hier gibt es auch so unfassbar viele tolle Ecken, mit denen ich mich noch nie genauer auseinander gesetzt habe. Sollte man definitiv ändern 🙂

    Liebe Grüße,

    Kiamisu

  • Antworten Dilan 16. November 2014 at 21:45

    Ich liebe solche Bilder! Wirklich sehr schön 🙂

    Liebst, Dilan

  • Antworten Lina 2. Dezember 2014 at 19:33

    Da war ich noch nie, voll schön!
    Ich mag ja sowieso deine Empfehlungen. Im Café Riquet war ich jetzt nämlich schon (und mochte es gern) und das Café Maitre habe ich nun auch mal getestet und werde da sicherlich wieder hingehen. Die Galettes sind ja super! Also nochmal danke! 🙂

    notestoherself.de

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