Durch den weißen Winterwald – Wie ein märchenhafter Schneetag den Kopf befreit

5. März 2018

Über meine Liebe für Schneetage, ein märchenhaftes Shooting im Winterwald und wunderbare Kindheitserinnerungen. 

Find here the English post: Into the white Woods – How strolling through the snowy forest was freeing my mind.

Snowy Day - Schneetag (28)

Als Anne Krämer mir von ihrer Idee zu einem Shooting an einem herrlichen Schneetag im Wald erzählte, war ich augenblicklich inspiriert. In meinem Kopf sammelten sich Bilder von gemütlicher, warmer Strickmode, einem alten, hölzernen Schlitten, blasser Winterhaut und Schnee in den Haaren -dazu imposante Nadelbäume.

Es klang einfach so verträumt und märchenhaft.

Ich liebe es, mit Künstlern wie Anne zu arbeiten. Und ich bereite mich für jedes Shooting ausgiebig vor. Ich überlege mir ein zu den Vorschlägen der Fotografin passendes Thema und mache mir Gedanken darüber, wie ich dieses auf eine authentische Art und Weise transportieren kann. Es entstehen dabei oft Geschichten hinter den Aufnahmen, ich plane die Looks dazu oder suche nach passenden Kleidungsstücken – vielleicht auch Marken, mit denen ich dabei zusammen arbeiten kann.

Letztendlich ist jedoch jedes Shooting eine Art Wundertüte. Es gibt so viele Begleitumstände, die sich vorab nicht beeinflussen lassen, und so ist es die Arbeit der Fotografin, die alles zum Leben erweckt.

Snowy Day - Schneetag (32)

Ein märchenhafter Tag im verschneiten Erzgebirge

Tatsächlich haben wir trotz ausgiebiger Vorbereitung recht lange nach einem passenden Platz zum Fotografieren gesucht. Auch wenn die letzten Jahre die besonders eisige Winterzeit meist auf den Februar fiel, schneite es dieses Jahr in Leipzig jedoch kaum.

Also entschieden wir uns für einen schönen gemeinsamen Sonntagsausflug in das etwa zwei Stunden entfernte Erzgebirge. Am Abend zuvor haben wir schon nach einigen passenden Wäldern und Dörfern geschaut, um schließlich am Shooting-Tag einfach vor Ort zu erkunden, welches Fleckchen Erde uns am fotogensten erschien.

Das Erzgebirge ist bekannt für seine Wintersportgebiete wie Oberwiesenthal, die ehemalige Bergbau-Industrie sowie besonders für seine traditionelle Schnitzkunst. Ich vermute, so gut wie jede Familie in Deutschland besitzt einigen Weihnachtsschmuck aus dem Erzgebirge – seien es nun hölzerne Schwippbögen, liebevoll gestaltete Räuchermännchen oder handgefertigten Baumschmuck.

Snowy Day - Schneetag (32)

Der Wald, für den wir uns letztendlich entschieden, wurde hauptsächlich von Fichten und Birken geprägt. Annes Fokus lag dabei besonders auf Nadelbäumen, deren Zweige mit Schnee bedeckt waren, während ich besonders die Birken mit ihren hellen, schlanken Stämmen liebe und diese unbedingt auf die Bilder bannen wollte.

Denn genau jene Bäume erinnerten mich an die alten russischen Märchen, wie etwa „Väterchen Frost“* oder den „Hirsch mit dem Goldenen Geweih“*. Die berühmte und zugleich gefürchtete Hexe Baba Yaga lebt dort in einer Hütte, die auf zwei Hühnerbeinen steht und auf ihr Kommando hin die Blickrichtung oder gar den Wohnort wechseln kann.

Wir schlenderten also durch den stillen Wald, kamen an einem wunderschönen, zugefrorenen See vorbei (dieser war leider zu weit unten am Hang, um dort Bilder zu machen), kletterten über geforene Zapfen und Wurzeln. Als ich gerade dabei war, ein zweites Outfit anzuziehen, begann es dann auch tatsächlich zu schneien.

Als würde die Natur sich von der besten Seite zeigen und uns helfen wollen, diese Serie so schön wie möglich zu gestalten. In diesem Moment entstanden dann auch die folgenden Aufnahmen.

Snowy Day - Schneetag (32)

All diese Bilder Anne Krämer, eine empfehlenswerte Portrait-, Hochzeits- und Naturfotografin aus Leipzig. Anne ist eine wirklich wunderbare Person und Künstlerin.

Snowy Day - Schneetag (32)
Cardigan und Rock sind beide vintage Stücke. Das Jäckchen ist aus schottischer Shetland Wolle, ich habe ihn bei einem meiner liebsten Vintage Shops in Großbritannien erworben – du findest ihn hier*.

Snowy Day - Schneetag (32)

Ein solcher Schneetag weckt Erinnerungen

Irgendwie habe ich mich schon immer wie ein Kind des Schnees gefühlt. Ich komme ursprünglich aus dem Thüringer Wald, dem grünen Herzen Deutschlands. Die ersten Jahre meines Lebens verbrachte ich in einer kleinen Stadt auf dem Rennsteig.

Bei uns auf dem Berg gab es wirklich zahlreiche kalte und verschneite Tage, vermutlich einige mehr als an vielen anderen Orten Deutschlands.

Snowy Day - Schneetag (2)

Vielen Dank liebe Anne, dass du bei diesem Shooting an mich als Model gedacht hast. Ich habe mich gefühlt wie mein fünf-jähriges Mini-Me, als ich so vergnügt mit dem Schlitten durch den Schnee gestapft bin. 

Snowy Day - Schneetag (32)

Und genau in diesem Moment, als wir nach einem schönen ersten Ort für unsere Bilder suchten, brach die Sonne durch die Wolkendecke und zeigte uns den Weg zu diesem kleinen Platz zwischen den Bäumen. 

Ich liebe Annes Gespür für Details.

Snowy Day - Schneetag (32)

Snowy Day - Schneetag (12)

Natürlich sind einem die ersten fünf Lebensjahre nicht allzu präsent, doch in meinen Erinnerungen lag zu dieser Zeit gefühlt immer Schnee.

Meine Eltern mussten meist das Eis von den Autoscheiben kratzen (oder überhaupt erst einmal das richtige Auto suchen, weil allesamt mit Weiß bedeckt waren), die Kohlen vom Keller in unsere Wohnung schleppen, und ich erinnere mich auch ein meinen tollen großen Schlitten aus hellem Holz, mit dem mich meine Eltern in den Kindergarten brachten, und der mich auch zahlreiche Male die Hügel heruntersausen ließ. Dabei sah ich in meiner Schnee-Kleidung meist aus wie ein dick eingemummeltes Michelin-Männchen.

An ein Highlight vom Rennsteig kann ich mich dabei noch besonders erinnern – die traditionellen Hundeschlitten-Rennen durch den Winterwald. Als Kind war ich von den großen, muskulösen Hunden wahnsinnig beeindruckt, mit welcher Kraft sie gemeinsam, meist zu acht oder zehnt, mit ihren Menschen durch den Schnee jagten, von enormer Geschwindigkeit geprägt. Davor und danach durften wir Kinder die Tiere dann meist noch kennen lernen und natürlich streicheln.

Auch wenn diese Erlebnisse schon zahlreiche Monde entfernt liegen, sind sie es doch, die mir immer wieder in mein Bewusstsein treten, wenn der Schnee rieselt. Viele klagen über die Kälte, ihre Probleme mit den Autos oder Fahrrädern in Wintern, oder den Stau auf den Straßen. Aber ich fühle mich im Winter einfach wohl. Und am Radfahren durch die Stadt hindert er mich auch nicht.

Snowy Day - Schneetag

Rückblick auf einen weit entfernten Winter in meiner alten Heimat. Auch wenn sich meine Mode etwas gewandelt haben mag, bleibt meine liebevolle Beziehung zu dieser Jahreszeit dieselbe.  

Snowy Day - Schneetag (32)

Ich denke, wir sollte solch faszinierende Ereignisse, geschaffen von Mutter Natur, einfach mal aus den Augen eines Kindes sehen und die „Erwachsenenprobleme“ für einen Moment beiseite lassen. 

Nimm dir eine Sekunde Zeit, um die Schönheit des fallenden Schnees wahrzunehmen. Eine Flocke sieht nie aus wie eine zweite – und bei näherer Betrachtung sind sie beeindruckend symmetrische, winzige Kristallsterne. Wenn du sie genauer anschaust siehst du, dass jeder von ihnen eine ganz einzigartige Form hat, wie ein winziges, vergängliches Kunstwerk der Natur.

Tauche einfach mal deine Hand in den tiefen Schnee. Forme einen Ball und schau ihm dabei zu, wie er durch die Zweige der Nadelbäume segelt. Oder halte Ausschau nach grazilen Pfotenspuren im Schnee.

Snowy Day - Schneetag (32)

Dieses schöne, bayrische Trachtenkleid habe ich auf Etsy* gefunden, wo ich meist nach vintage Mode Ausschau halte. Selbst alle originalen Holzknöpfe sind noch vollständig. Es ist eine Art Kittelkleid, welches ich (vermutlich entgegen der Tradition) einfach mit einem Rollkragen-Pullover kombiniert habe.

Snowy Day - Schneetag (20)

Diese wunderbaren Birken erinnerten mich an alte russische Märchen.

Snowy Day - Schnee Tag - Vintage Fashion (35)

Ich liebe das Gefühl von eisigem Schnee zwischen meinen Fingern. Danke liebe Anne, dass du auch solche Momente festgehalten hast! 

Snowy Day - Schneetag (20)

Viele von euch mögen vielleicht denken – wovon erzählt sie eigentlich, ich bin doch jeden Tag draußen unterwegs! Doch wenn man wie ich in einer Großstadt lebt, vielleicht auch jeden Tag viele Stunden am Computer verbringt und auch keinen Hund hat, mit dem man eventuell täglich Gassi geht, nimmt man sich leider oftmals kaum die Zeit, mal einen Ausflug in die einsame Natur zu unternehmen und diese eiskalten Tage einmal so zu genießen.

Im Sommer, wenn die Sonne scheint, fahren wir mit den Rädern auch oft an die umliegenden Leipziger Seen – so wie hunderte andere Einwohner ebenfalls. Doch dieser Schneetag hat mir gezeigt, wie gut es sich auch im Februar anfühlt. Wie sehr ich diese kurze Flucht von den lauten Straßen, dem typischen gemütlichen, warmen Sofa (von dem man im Winter ja allgemein sehr gern spricht) und die Einsamkeit in der Kälte genossen habe.

Ich liebe die kalten Tage. Ich mag es, wenn mein Atem zu einer dunstigen Wolke wird, das Geräusch meiner Schritte im frischen Schnee und die verschlafene, ruhige Atmosphäre eines verlassenen Waldes.

Snowy Day - Schneetag (20)

Dieser Tag gab mir so viel Energie, Erholung und Entschleunigung. Die Nase in den Himmel zu halten, während der Schnee rieselt, fühlte sich an wie eine kleine Therapie.

Als hätte die Natur mir sagen wollen, wie sehr ich einen solchen Ausflug in die Stille brauchte.

Stollberg – Eine bezaubernde, historische Kleinstadt im Erzgebirge

Stollberg Snowy Day - Schneetag (48)

Auf unserem Rückweg nach Leipzig hielten wir noch einmal kurz in Stollberg, eine der ältesten Städte Sachsens (die erste namentliche Erwähnung als „civitas“ erfolgte 1343), und schlenderten dort kurz über den Markt.

Die Fachwerkhäuser fand ich besonders herrlich, so wie das eine auf unseren Bildern. Das sogenannte Carl von Bach Haus wurde im Jahr 1810 errichtet und nach einem bedeutenden Ingenieur benannt, der dort 1843 geboren wurde.

Stollberg war auch einer der letzten Orte, der vor Ende des Zweiten Weltkrieges bombardiert wurde. Der Grund, warum wir dort hielten, war die Großmutter meines Freundes, die im letzten Jahr friedlich entschlief. Sie erblickte in Stollberg das Licht der Welt und lebte dort über viele Jahre.

Da wir zuvor noch nie in dieser Stadt waren, wollten wir uns einmal kurz den Ort ansehen, an dem sie aufwuchs und die Attacken des Krieges überlebte. Ich empfand es als rührende Geste, ihr dort zu gedenken, ebenso der wundervollen Tage, die sie dort mit ihrer Familie, in ihrer Gemeinde oder mit ihrem geliebten Chor verbracht haben muss.

Auch wenn wir in der kurzen Zeit von Stollberg nur ein paar Straßen erkunden konnten, so hatte ich trotzdem das Gefühl, dass dies ein Ort voller Geschichte ist.

Stollberg Snowy Day - Schneetag (1)

Das Haus, von dem ich sprach, beherbergt heute ein süßes Café.

In diesen Bildern trage ich ein Leinenkleid von Son de Flor. Es ist eigentlich für den Sommer vorgesehen, doch ich habe es mit einem ganz besonderen schottischen Schal und einem vintage Gürtel kombiniert. Der Schal zeigt das Karo des MacKenzie Clans, der auch in der berühmten Outlander-Serie eine Rolle spielt. 

Mein Papa hat mir diesen letztes Jahr mitgebracht, als er auf einer Motorradtour durch die Highlands unterwegs war. Dabei besuchte er natürlich auch Inverness, wo die berühmte Geschichte von Claire und Jamie Fraser begann. 

Stollberg Snowy Day - Schneetag (48)

Nach einem solch herrlichen Tag in der eisigen Kälte des verschneiten Erzgebirges saß ich abends tatsächlich wieder vergnügt und zufrieden auf meinem warmen Sofa. 

Nur diesmal mit ein paar Sonnenstrahlen in meinen Gedanken und einem kindlich-verträumten Lächeln im Gesicht. 

Snowy Day - Schneetag (26)

 

 

Ein weiterer schöner Beitrag zur Entschleunigung in der Natur:

70er Jahre Look: Von Freiheit, einsamer Natur und Spaziergängen mit der Kamera

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4 Kommentare

  • Antworten Susanne 11. März 2018 at 7:58

    Wow!!! Hallo Victoria-hier einmal Wieder Susanne aus Schweden… ich muesste mir Auch mal Instagram zulegen oder so. Aber es ist Auch Schön, hier auf Deinem blog den Beiträgen zu folgen. Dieser Winterwald- Beitrag ist klasse und ich konnte mich direkt mit ihm identifizieren-die Stille, die Natur und die besondere Atmosphäre mit Schnee. Neulich erst habe ich mit meinen kids so einen Ausflug gemacht und ich empfinde es Auch immer als Therapie-weg von der ganzen Technik und dem social media Gebrumme. Ich habe oft Heimweh nach Deutschland und muss/will mich beruflich umorientieren, auch dann tut es gut rauszukommen, um Wieder klarer denken zu können. Deine outfits sind ja Auch super-einerseits einfach und dem event entsprechend und gleichzeitig sehr besonders! Ich finde es immer Wieder toll, wenn Leute Mode zu einer Art Kunst(werk) gestalten können weitab von trends aber trotzdem chic. Und Geschichtsträchtiges mag ich ohnehin!!! In diesem Sinne freue ich mich stets ueber neue Bilder auf Insta oder schöne und inspirierende Beiträge auf Deinem blog. Sie sind fuer mich in meinem Alltag Auch oft wie Eine „Spasession fuer Hirn und Seele“. Ganz liebe Gruesse von Susanne

    • Antworten Vintagemaedchen 14. März 2018 at 16:37

      Hallo liebe Susanne,

      vielen Dank für deinen wieder so ausführlichen und lieben Kommentar, das freut mich sehr!
      Instagram ist ein wunderbares Medium für schöne Bilder, aber auch sehr zeitintensiv, man kann sich da wirklich über Stunden aufhalten :))

      Gerade wenn du in Schweden wohnst, kann ich mir gut vorstellen, dass du solch traumhafte Szenerien im Winterwunderland öfter erlebst. Ich hoffe, dass solche Ausflüge auch dir neue Kraft schenken – mit Kindern genießt man es bestimmt gleich doppelt so sehr.

      Aber nun freue ich mich auch, wenn bald der Frühling bei uns in Deutschland Einzug hält und die Parks in Leipzig langsam wieder einige Farbtupfer schmücken.

      Ganz liebe Grüße in den hohen Norden!
      Victoria

  • Antworten Julia Illner 2. April 2018 at 23:01

    Hallo Victoria,
    das ist wirklich ein Vergnügen das zu lesen und anzuschauen. Es sieht genauso märchenhaft aus, wie du es beschreibst und ich kann mir vorstellen, dass es in natura noch viel beeindruckender sein muss. Ich kann total verstehen, was du sagst. Gerade als Stadtmensch ist es umso schöner, sich mal von der Schönheit der Natur verzaubern zu lassen. Ich komme leider sehr selten dazu, solche Ausflüge zu unternehmen, aber genieße es gerade deshalb umso mehr. Gerade im Winter wenn es schneit, wirkt alles gleich magisch.
    Liebe Grüße!
    Julia

    • Antworten Vintagemaedchen 3. April 2018 at 11:07

      Liebe Julia,

      du hast ja so Recht. Man nimmt sich einfach kaum die Zeit, denn „es gibt ja so viel zu tun“. Aber wie wichtig es für Körper und Seele ist, mal raus zu kommen, merkt man eben erst, wenn man es wirklich tut. <3

      Nun aber auf in den Frühling, der hoffentlich auch wunderschön wird!

      Liebste Grüße,
      Victoria

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