Auf den Spuren des British Empire – Ein Tag im Victoria & Albert Museum London

11. November 2017

Folge mir auf einen kleinen Ausflug in das Victoria & Albert Museum London im wunderschönen Stadtteil South Kensington – in eines meiner liebsten Museen, wobei ich einen tollen Look von Topvintage ausführen durfte.

Wir werfen gemeinsam einen spannenden Blick auf William Morris, das British Empire und…

…gigantische Gipsabgüsse!

The English post you find here: On the trail of the British Empire – A day at London’s V&A.

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South Kensington – Museen und Luxus

Gemeinsam mit Kensington im Norden und Chelsea im Süden bildet das kleine Stadtviertel South Kensington den westlichen Rand der Londoner Innenstadt. Mit seinen luxuriösen Gebäuden, farbenfrohen Boutiquen und wunderschönen Parkanlagen lädt es zu einem entspannten Bummel durch die City ein.

So zählt es es zu einem der exklusivsten Wohnviertel Londons. South Kensington ist ein Stadtteil, in dem der Geist Queen Victorias noch heute überall zugegen ist. Der viktorianische Stil dominiert die Architektur des Bezirks.

Queen Victorias Prinzgemahl, Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, veranlasste den Bau eines wissenschaftlichen Zentrums in Kensington. Die Gegend wurde zuvor eher landwirtschaftlich genutzt.

Doch seit der Great Exhibition im Jahr 1851 entwickelte sie sich zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren der Welt – und das bis heute.

London's V&A Crystal Palace

Eine Lithografie der Great Exhibition im Crystal Palace. Wohl einer der wichtigsten Anfänge für South Kensington als Viertel von Wissenschaft und Kunst. Aussteller aus allen Ländern zeigten dort ihre Neuheiten in Sachen Technik, Kunsthandwerk und Design. Via Wikimedia Commons. 

Die Great Exhibition fand 1851 im Hyde Park statt, eine Weltausstellung, die technische Innovationen, kulturelle Highlights und hochwertiges Kunsthandwerk vereinte. Im Anschluss entschlossen sich die Ausstellungsleiter zum Kauf eines Areals mit 352.000 Quadratmetern rund um die heutige Exhibition Road, um Institutionen der Wissenschaft und Kunst eine Heimat zu geben.

Dies führte zur Entstehung zahlreicher Museen und Universitäten in räumlicher Nähe zueinander. So wurde dort ein Zuhause für Institutionen der Wissenschaft und Kunst geschaffen.

Heute steht die Exhibition Road noch immer für diese fortschrittlichen Jahrzehnte. Dort findest du das Natural History Museum, Science Museum sowie das Victoria & Albert Museum mit einer Fülle von Ausstellungen und Events für Jung und Alt.

Die ersten Museen – Von privater Sammlung zu öffentlicher Ausstellung

Die Sammlungen des Victoria & Albert Museum decken über 1.000 Jahre Kunstgeschichte ab.

Das Museum wurde im Jahr 1852 gegründet, anschließend an den bahnbrechenden Erfolg der Great Exhibition im Jahr zuvor. Der Initiator – Sir Henry Cole – hatte sich zum Ziel gesetzt, Kunst öffentlich zugänglich zu machen, um so die Bevölkerung zu bilden und britische Designer und Handwerker zu inspirieren.

Die Erlöse der Great Exhibition wurden genutzt, das „Museum of Manufacturers“ zu gründen und einen Grundstock an Ausstellungsstücken zu erwerben.

Im Jahr 1857 fand der Umzug in die heutigen Räumlichkeiten statt, einhergehend mit der Umbenennung in „South Kensington Museum“.

London's V&A Front

Der Haupteingang des V&A wird von der Statue of Fame gekrönt. 

Ein innovatives Gaslampen-System erlaubte an drei Tagen je Woche die Verlängerung der Öffnungszeit bis 22 Uhr, um auch die Arbeiterschicht in den Bann von Kunst und Design zu locken.

1899 legte dann Queen Victoria den Grundstein für eine neue Fassade und sorgte für die Umbenennung in Victoria and Albert Museum.

Unterwegs mit 50er Jahre Mode von Topvintage

Kensington London's V&A

Beim herbstlichen Spaziergang durch Kensington. 

Mir wurde freundlicherweise ein wunderschöner Herbstlook von Topvintage zur Verfügung gestellt, und so dachte ich, es wäre doch eine tolle Gelegenheit, das Fotografieren der Kleidung mit unserem Ausflug in das V&A zu verbinden.

Das eine Detail, das ich hierbei ganz besonders liebe, ist der weiche Schal mit Katzenprint. Als ich das Päckchen erhielt, war ich überaus überrascht, wie sehr die Kätzchen auf dem Stoff meinen Bengalen ähneln. Schau dir zum Vergleich einmal dieses Foto an, habe ich nicht recht?

Die feste, dicke Textur des Schals eignet sich hervorragend zum Binden eines Turbans – so ist ein Turban auch die Art, wie ich ihn am liebsten trage. Den Schal findest du übrigens hier.

London's V&A 1950s look
Muster über Muster – Ganz besonders liebe ich die karierten Fliesen an den zahlreichen, gestuften Hauseingängen in Kensington.

London's V&A 1950s look

In Kombination zum Schal habe ich mich für ein bordeaux-farbenes Ensemble entschieden, da ich mich in dieser Farbe einfach am wohlsten fühle.

Der unglaublich weiche Pullover mit seinen kleinen Blümchen auf der Vorderseite fühlt sich aufgrund seiner Beschaffenheit wie ein originales Vintage Stück an. Ich denke, er wird sicherlich einer meiner liebsten Begleiter für die kommende Wintersaison werden. Du bekommst ihn ebenfalls bei Topvintage.

Ein schöner Tartan Skirt gehört für mich sowieso in jeden Kleiderschrank einer Dame. Braune Stiefel passen immer wunderbar dazu, ebenso goldene Accessoires – hier im Übrigen die Brosche, die ich von der verstorbenen Großmutter meines Freundes geerbt habe.

Ein weiteres Detail sind meine liebsten Nahtstrümpfe – die braunen Stockings von What Katie Did. Sie halten wirklich lang, im Vergleich zu zahlreichen anderen Herstellern. Und ich habe im Laufe der letzten Jahre so einiges an Strümpfen und Strumpfhosen in meinem Kleiderschrank kommen und gehen sehen.

Dank Topvintage müssen wir diese auch nicht mehr in Großbritannien bestellen, sondern erhalten sie direkt aus Deutschland. Um in Herbst und Winter auch warm zu bleiben, kaufe ich mir in Vintage- oder Second Hand Shops Unterkleider aus den 40er- und 50er Jahren. Diese sind nicht nur schön, sondern auch ungemein praktisch.

So bleibt beispielsweise der Baumwollrock auch nicht an der Strumpfhose hängen – besonders, wenn man wie hier viel unterwegs ist.

Um den Kreis zu schließen – für mich ist dieses Ensemble ein wunderbares, bequemes Outfit für einen langen Tag in der Großstadt, um warm zu bleiben, sich schön zu fühlen, und nicht jedes Mal kontrollieren zu müssen, ob die Haare noch sitzen oder der Kragen der Bluse auch nicht verrutscht ist.

Kensington London's V&A 3

Für mich gehört ein schwungvoller Tartan Skirt zu jeder Herbstsaison dazu. 

Victoria & Albert Museum London London's V&A

Tatsächlich sind Kopftücher sowieso meine heimlichen Favoriten, wenn ich mal eine schnelle, bequeme und gut haltende Frisur benötige. Die vordere Haarpartie stecke ich dabei wie Pin Curls oder einen Poodle zusammen, ähnlich wie ich es auch in meinem Beitrag zum 50er Jahre Styling getan habe. Die hintere befestige ich ganz einfach am Hinterkopf.

Und nun, da wir ausführlich den Look analysiert haben, sind wir bereit, das Victoria & Albert Museum London zu erkunden!

Das British Empire im Victoria & Albert Museum London

Das V&A entwickelte sich zum weltweit größten Museum für Kunst und Design. In den letzten Jahren wurde das V&A einem umfangreichen Restaurierungs- und Erneuerungssprogramm unterzogen.

Zu den neuen Highlights zählen die Ausstellung zur mittelalterlichen Renaissance mit einigen der bedeutsamsten Kunstschätze dieser Zeit sowie die atemberaubenden Schmucksammlungen und die Ausstellung zur Britischen Kunstgeschichte.

London's V&A Gardens

 Vom Café aus hat der Besucher einen bezaubernden Ausblick in den Garten des V&A.

Die Victorian Era sowie die Arts and Crafts Bewegung waren Themen, die mich persönlich schon immer interessierten – sowohl in meinem Studium der Kunstgeschichte als auch in meinen Seminaren über die Kultur Großbritanniens.

Bei meinem ersten Besuch des V&A im Jahr 2013 habe ich mir besonders die Ausstellungen von Schmuck und Modegeschichte angesehen, doch diesmal wollte ich nun die Bereiche über das British Empire besuchen.

Arts and Crafts – William Morris Designs

Arts and Crafts war eine internationale Bewegung der dekorativen und bildenden Künste, die sich in Großbritannien zwischen 1880 und 1920 ausbreitete. Künstler der Arts and Crafts waren mit der Qualität und Herstellung von massenproduzierten Möbeln und Designs unzufrieden, und so fanden sie neue alte Wege, diese Stücke herzustellen.

Sie standen für traditionelle Handwerkskunst inspiriert von einfachen Formen, wie etwa aus dem Mittelalter, der Romantik, oder der Volkskunst. Es entstand eine wirtschaftliche und soziale Reform, die entschieden anti-industriell wirkte.

Die Künstler wurden beeinflusst vom Architekten Augustus Pugin, Autor John Ruskin und Designer William Morris. Ruskins Buch, „The Stones of Venice“, betone die Bedeutung der Bewegung im Gegensatz zur Industrialisierung des 19. Jahrhunderts.

London's V&A Wallpaper

Eine wunderschöne Morris-Tapeten im V&A, die obere stammt aus dem Jahr 1876. Auf der linken Seite siehst du Bleistiftnotizen, die der Künstler für den Drucker schrieb. 

William Morris London's V&A

William Morris (1834–1896) war nicht nur eine bedeutende Figur in der Designwelt des 19. Jahrhunderts, sondern auch einer der bedeutendsten Denker der Zeit. Neben seiner künstlerischen Arbeit was Morris auch als Poet, Autor und Politiker aktiv.

Our art is the work of a small minority composed of educated persons, fully conscious of their aim of producing beauty, and distinguished from the great body of workmen by that aim. William Morris

Er experimentiert mit zahlreichen Arten von Handwerk und der Herstellung von Möbeln. Die Verbindung aus Handarbeit und Design war eine bedeutende Komponete der Arts and Crafts Bewegung.

Laut John Ruskin war die Trennung des intellektuellen Akts des Entwerfens und der Herstellung durch die eigenen Hände sowohl sozial als auch ästhetisch schädigend. Die Künstler hingegen glaubten, dass gerade das Ausführen des Handwerks die eigentliche Befriedigung vermittelte.

Besuchstipp: Einer der Tearooms des Victoria & Albert Museum London wurde ebenso von Morris designt, angelehnt an mittelalterliches Interieur. Diesen solltest du bei deinem Besuch auf keinen Fall verpassen! 

Die Arbeiten von Morris beinhalteten mittelalterliche Themen, persische Designs, den Einfluss von isländischen Bildteppichen, Märchen oder die Schönheit der Natur. Was ich an seiner Arbeit besonders liebe, sind die großflächigen Wandmuster, die er in Anlehnung an Flora und Fauna und im Besonderen an die britische Landschaft schuf.

William Morris London's V&A
Fliesen waren die günstigsten Objekte von Morris. Sie wurden beispielsweise an Feuerstellen, Möbeln oder Wänden eingesetzt. Diese stammt circa aus dem Jahr 1862. 

Unten siehst du den Entwurf für die Initiale „W“. Diese entwarf William Morris für das Werk  „The Works of Geoffrey Chaucer“ um 1896. Die Anlehnung an mittelalterliche Illustration ist deutlich zu erkennen. 

William Morris London's V&A 3

So war ich auch besonders fasziniert, als ich um eine Ecke der Ausstellungsräume schlenderte und nun tatsächlich einige seiner originalen, handgedruckten Wall Paper sehen konnte.

Diese Wanddrucke, so wie etwa das obige Bild mit seinen Notizen, wurden mit Druckblöcken gefertigt. Oftmals waren dazu 30 verschieden kolorierte Blöcke nötig, was die Herstellung über etwa einen Monat hinzog. Einige der originalen Blöcke sind auch heute noch in Verwendung. Du kannst dir sogar – mit dem passenden Kleingeld – deine eigene Morris-Tapete kaufen!

Queen Victoria und Prince Albert

Die Ausstellungsbereiche zum Leben von Queen Victoria und ihrem Mann sind ebenfalls sehr beeindruckend. Das Gefühl, vor einem Objekt zu stehen und zu wissen, dass es von der berühmten Queen höchstpersönlich verwendet wurde, ist schon etwas Besonderes!

Victoria (1819-1901) war Königin des Vereinigten Königreiches und Irland (1837–1901) sowie Kaiserin von Indien (1876–1901). Sie war die letzte britische Monarchin aus dem Haus von Hannover und Namensgeberin des viktorianischen Zeitalters.

London's V&A Wedding Dress Victorian 2
Die britische Tradition, weiße Hochzeitskleider zu tragen, entstand im 19. Jahrhundert. Queen Victoria und ihre Schwiegertochter Prinzessin Alexandra legitimierten diese Mode, indem sie in weißen Hochzeitskleidern heirateten, die mit britischer Honiton-Spitze verziert waren.

Dieses Seidensatin-Kleid entstand um 1870 in London.

London's V&A Wedding Dress Victorian 2
1840 heiratete sie den deutschen Prinzen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha. Typisch für die viktorianische Zeit waren sie ein sehr religiöses, konservatives und familienorientiertes Paar. Gemeinsam hatten sie vier Söhne und fünf Töchter, aus denen viele adlige Familien in ganz Europa hervorgingen.

Dies ist auch der Grund, weshalb viele Königshäuser heutzutage immer noch deutsche Wurzeln haben.

Victorias 63-jährige Regierungszeit war die längste weibliche Regentschaft der Geschichte. Erst ihre eigene Ur-Ur-Urenkelin – Englands derzeitige Königin Queen Elizabeth II – übertraf diesen Rekord schließlich im September 2015.

Mit ihrem Mann arbeitete sie stets harmonisch zusammen. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1861 (also 40 (!) Jahre vor ihrem eigenen Ableben), zog sie sich in eine lange Zeit der Abgeschiedenheit zurück. Die langen Jahrzehnte der Trauer sind auch der Grund, weshalb die meisten Portraits die Queen in schwarzer Kleidung zeigen.

London's V&A Handkerchief

Queen Victoria machte diese Art der Trauer-Taschentücher populär. Dies ist eines von sehr vielen dieser Art, die sie nach dem Tod von Prinz Albert verwendete. Witwen nutzten entweder schwarze Taschentücher oder weiße mit schwarzen Umrandungen.

Londons V&A Museum zeigt in der Ausstellung ein wunderbares Video mit seltenen Szenen aus ihrem Leben. Ich habe dieses Video auch auf Youtube gefunden – hier kannst du also Queen Victoria auf einzigartigen Bildern in Aktion sehen.

Victoria starb auf der Isle of Wight – auf sie folgte Edward VII.

Das viktorianische Zeitalter war geprägt von starkem industriellen Wandel, neuen Technologien, wissenschaftlichen Durchbrüchen (beispielsweise Darwins Evolutionstheorie), Innovationen in der Kommunikation (der Telegraf und Boulevardzeitungen).

Nicht zu vergessen sind auch die infrastrukturellen Neuerungen wie die neuen Zuglinien und die Londoner U-Bahn sowie ein wachsendes Britisches Empire, aber auch die große Ungleichverteilung von Vermögen und Einkommen und enorme Armut der Arbeiterschicht.

Nicht verpassen: die Cast Courts!

Ein Ort, den ich ebenfalls unbedingt noch vorstellen muss ist der wohl spektakulärste Teil des Museums – die Cast Courts.

London's V&A Columns

Nur eine der zahlreichen wundervollen Reproduktionen. Auf diesem Foto trage ich ebenfalls das zauberhafte Top von Topvintage.

London's V&A Columns

Diese zwei riesigen 24 Meter hohen Hallen zeigen Reproduktionen (das klingt ungewöhnlich, ich weiß) der berühmtesten Skulpturen und Säulen der Weltgeschichte, wie beispielsweise Michelangelos David, die Trajanssäule aus Rom oder Bronzestatuen von Donatello.

Der Vorteil daran ist, dass diese Kopien heutzutage oft besser erhalten sind, als die Originale! Mehr über die Cast Courts erfährst du auf der Website des Museums.

Das war nur ein kleiner Einblick in die gewaltige Fülle an Exponaten, die das Victoria & Albert Museum London zu bieten hat.

Cast Courts London's V&A 2

Falls du vorhast, das V&A zu besuchen, solltest du auf jeden Fall vorher entscheiden, welche Ausstellungsbereiche dich am meisten interessieren. Denn ein Tag im Victoria & Albert Museum London ist nicht genug, auch nicht zwei oder drei.

Das Museum ist tatsächlich ein Ort, an dem ich Tage und Wochen verbringen könnte.

Warst du denn schon selbst einmal dort, oder planst du einen Ausflug nach London?

 

Weitere Beiträge zum Thema 50s Style und London:

50er Jahre Styling – Frisur und Look der Teddy Girls
Hinter den Kulissen der Harry Potter Filme – Die Harry Potter Ausstellung in London
Shooting Tag in London – Behind the Scenes bei Revival Retro

Mit freundlicher Unterstützung von Topvintage. 

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2 Kommentare

  • Antworten Manja 14. November 2017 at 19:25

    Oh ja, das V&A ist so fantastisch, da kann ich Stunden verbringen 🙂
    Toller Beitrag liebe Vicky

    • Antworten Vintagemaedchen 15. November 2017 at 9:21

      Liebe Manja,

      in der Ausstellung musste ich auch mehrfach an dich denken. Besonders bei den wunderschönen Spitzendetails der Kleider!
      Es freut mich wirklich sehr, dass er dir gefällt.

      Liebste Grüße,
      Victoria

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